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Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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!46 Biblische Motive in Goethes ״Faust“. nur unter dem Einfluß des Hiobbuckes entstanden. Die alte Faustsage kannte nur den Kampf zweier feindlicher Mächte, die um die Seele des Menschen stritten, zweier Mächte von gleicher Gewalt und gleicher Stärke. Und so mußte der Mensch dem Bösen unterliegen, konnte selbst Marlowe in seiner Tragödie bei aller Liebe zu seinem wissensstrebenden Helden die alte Tradition nicht aufgebeii. Der jüdischen Weltanschauung, die von der Siegeskraft des Guten durchdrungen, sind Fegefeuer und ewige Höllenstrafen fremde Begriffe; die christliche Kirche des Mittelalters hat allzu bereitwillig den Flammentod über Millionen Andersgläubiger verhängt, weil sie ״unausrottbar dem Bösen verfallen waren“. Mit solcher Überzeugung״ haben selbst edler gesinnte Fürsten der Kirche jedes Mitleidsgefühl mit den unglücklichen Opfern der Inquisition zu bannen gesucht *). Aus solcher Anschauung heraus hat das Mittelalter die Faustsage gestaltet; keiner der zahllosen Bearbeiter läßt auch nur den Versuch zu einer höheren Auffassung über Wesen und Ziel des Bösen verraten. Zu fest war mit dem Faustspiel jener heidnisch-persische Begriff vom Dualismus der göttlichen Mächte verknüpft und hinderte eine lebensfreudigere, ethisch höhere Zuspitzung des alten Problems. Da kam das Zeitalter der Aufklärung und der Humanität, und die führenden Denker Lessing und Herder ebensogut wie Voltaire und Rousseau kämpfen in Schrift und Rede für eine versöhnlichere Auffassung des Menschenschicksals, in seinem Kampf zwischen den Gewalten des Lichts und der Finsternis. Und daß die Dichtung, insbesondere das Drama, als erstes auf den Plan trat, um für die neue Idee zu streiten, erklärt sich insofern als naturnotwendig, als das Faustspiel bis zum Ende der Klassikerzeit der beliebteste Stoff für jegliches Bühnenfest war. Lessing war 1) Ein bezeichnender Maßstab für die sittliche Auffassung im Zarenreich der Gegenwart ist es, wenn von hervorragender Seite auch heute noch die Menschenrechte den Juden, die zu Hunderttausenden ihr Blut vergießen, mit der Begründung versagt werden: ״Der Jude ist eine Verkörperung des hoffnungslosen äußersten Bösen.u

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