Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 41

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292946--00659-2293900
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Biblische Motive in Goethes ״Eu-t'. 145 hat er das Ideal der Tat zur nahen Vollendung geführt, das Ideal der Menschheitsbeglückung ahnend empfunden: da trifft ihn der Tod und die Seele enteilt. Die Hölle darf sie nicht empfangen; droben rüsten sich die Engel, ihr die Aufnahme in das Himmelreich zu bereiten. ״Wer immer strebend sich bemüht, Den können wir erlösen. Und hat an ihm die Liebe gar Von oben teilgenommen, Begegnet ihm die selige Schar Mit herzlichem Willkommen.“ Nach des Dichters eigenen Worten1) ist in diesen Worten der ״Schlüssel zu Fausts Rettung“ enthalten. Sein Streben hat zwar der Macht des Versuchers weichen müssen, doch end־ lieh den Sieg behauptet. Wesentliche Abweichungen von dem biblischen Buch sollen bei der Vergleichsbetrachtung nicht ganz verschwiegen werden, obwohl die Forschung in erster Linie naturgemäß auf die Analogien und gemeinsamen Beziehungen ihr Augenmerk richtet. ״Hiob wird auf die Leidensprobe gestellt, Faust auf die Lustprobe2).״ In dieser knappen Zusammenfassung sind die Verschiedenheiten im Aufbau beider Werke angedeutet. Auch der Zweck der Prüfung ist hier wie dort ein anderer. Im Bibelbuch soll der Gottesglaube, das Vertrauen auf die göttliche Gerechtigkeit durch den Ansturm des ״Hinderers“ erschüttert, im Faustdrama das Streben im Dienste des Gott־־ liehen (das ist nicht immer mit dem Erkenntnisdrang gleichzusetzen) durch die Macht des Teufels bezwungen werden. Wenn aber der deutsche Dichter seinen Helden (im Gegensatz zur gesamten Faustdichtung vor ihm) nicht in der Hölle enden läßt, sondern das Verdammungsurteil, das in den älteren Faustspielen die Tragödie so hart beschloß: Faustus! Accusatus es! judicatus es! condemnatus es!3) gewissermaßen in einen ״Siegesruf des Himmels“ wandelt, so ist diese ״Krönung“ ג) Zu Eckermann 6. Juni 1831. 2) Oettli, Ideal und Leben. 9) Du bist angeklagt — du bist gerichtet — du bist verdammt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.