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Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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!44 Biblische Motive in G-oethes ״Faust“. keit, so ist das wiederum ganz recht, und ich bin deswegen eher zu loben als zu tadeln.“ Die äußere Abhängigkeit im Aufbau der Dichtung wird durch der ״Prolog im Himmel“ so klar zum Ausdruck gebracht, daß sie auch bei oberflächlicher Lektüre nicht übersehen werden kann. Inmitten der himmlisehen Scharen thront Gott der Herr, Hymnen aus der Engel Mund verkünden seinen Ruhm 1). Nur einer schweigt, Mephisto, der Geist der Verneinung. Er hat auf seinen Fahrten durch die Lande nichts Rühmenswertes geschaut, zumal die Zierde der Schöpfung, der Mensch, rettungslos zu irdischer Qual verdämmt erscheint. Gott lenkt seinen Blick auf Faust mit denselben Worten wie im biblischen Buch auf Hiob. Der Teufel muß zugestehen, daß dieser in höherer Art sich dem Dienst des Göttlichen weiht, doch erbietet er sich, ihn von dem Pfade des Strebens auf seine Straße zu locken. Der Herr willigt ein. ״So lang er auf der Erde lebt, So lange sei Dirs nicht verboten. Zieh diesen Geist von seinem Urquell ab Und führ ihn, kannst Du ihn erfassen, Auf Deine Wege mit herab. Jnd steh beschämt, wenn Du bekennen mußt: Ein guter Mensch in seinem dunkeln Drange Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.“ Der Verlauf der Handlung ist bekannt. Bis in die Tiefen irdischer Verkommenheit führt Satan sein Opfer; doch halten kann er ihn dort nicht. Nachdem Gretchens erschütternde Rufe aus dem Kerker verhallt sind und den Stachel der Reue in des Gesunkenen Herz gesenkt haben, erwacht sein besseres Ich zu neuem Leben und Streben. Und so führt der Weg im zweiten Teil wieder zur Höhe; nicht ganz auf ebenem Pfad wird das Ziel erreicht, doch es wird erreicht. Frei von sinn- Echem Begehren hat Faust am Vorabend seines Strebens sich zum Menschheitsideal emporgerungen; auf selbstgebautem Grunde x) Anfang und Ende des erhabenen Wechselgesanges ist von biblischen Gedanken (Hiob 36,7; I. Kön. 19,1 lf.) inspiriert, s. Kommentare zu Faust (Witkowski, Erich Schmidt).

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