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Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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Biblische Motive in Goethes ״Faust“. 143 Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, die Arbeit Goethes am Alten Testament durch sein Leben zu verfolgen. Hier mag die Tatsache aufgeführt werden, für die wir an anderer Stelle den historischen Beweis angetreten haben 1). daß unter den mannigfaltigen Kultur erscheinungen, welche die einzigartige Stellung seiner Persönlichkeit beeinflußt haben, unsere Bibel den vordersten Platz behauptet. Sie ist das einzige Buch, das ihn Zeit seines Lebens gefesselt hat, von der ersten Probe seines denkenden und schaffenden Geistes bis zur letzten Lebens- Wahrheit, die seinen Lippen entströmte. Er, der universalste der deutschen Dichter, hat zwar in seinem Geiste Homer. Ossian so gut wie Spinoza, Bousseau umspannt, doch sie alle sind nur für mehr oder minder große Perioden seines Lebens von Bedeutung. Die Bibel, vornehmlich das Alte Testament, hat als die treueste Begleiterin seines Lebens zu gelten. Auf dieser Grundlage gewinnt die Frage Bedeutung, welchen Einfluß die Bibel auf sein dichterisches Schaffen ausgeübt hat, vor allem auf sein ewiges Werk? An seinem ״Faust“ hat der Dichter bekanntlich mehr denn 60 Jahre seines Lebens geschaffen; wie kein zweites Werk weist diese Dichtung den ganzen Beichtum seines durch alle Wissenszweige geförderten Lebens auf. Suchen wir nun die Wirkungen seiner Liebe zur Bibel darin zu erkennen. Wir übergehen die Fülle einzelner Bilder und Anklänge, die bereits zusammengestellt sind2), beschränken uns hier auf jene Motive, die nicht zu gelegentlicher dichterischer Ausgestaltung verwandt, sondern für die Fortführung der Handlung und die Formgebung der Probleme von hervorragender Bedeutung sind. I. Wir behandeln zunächst den ״Hiob-Gedanken“. Zu Eckermann hat Goethe einmal geäußert: ״Hat die Exposition meines Faust mit der des ״Hiob“ einige Ähnlich- ג) In einer demnächst erscheinenden Schrift ״Goethe und das Alte Testament“. 2) Höhne bringt in seiner Schrift ״Umfang und Art der Bibelbenutzung in Goethes Faust“ etwa 200 Parallelen.

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