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Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
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142 Biblische Motive in Goethes ״Faust“. möchte, seine traurigen Gedanken hatte 1)“^ haben deutsche Dichter und Denker, und zwar die Häupter unter ihnen, die Macht des alten Bibelwortes in neuem Gewände erstehen lassen, in philosophischer Betrachtung und Deutung seines Inhaltes (Herder, Lessing) oder in dichterischer Verklärung biblischer Helden und Gedanken (Grillparzer, Hebbel. Ludwig). An der Spitze steht der Name Goethes. Die Bedeutung, die unsere Bibel für seine geistige Entwickelung darstellt, ist aus seiner Lebensgeschichte bekannt. In unzweideutigen Worten hat er hier ausgesprochen, was er in seinen Schriften mehrfach wiederholt: ״Fast der Bibel allein war ich meine sittliche Bildung schuldig, und die Begebenheiten, die Lehren, die Symbole, alles hatte sich tief bei mir eingedrückt und war auf die eine oder andere Weise wirksam gewesen “2). Stets müsse er zu den Schriften des Alten Bundes zurückkehren, ״als dem erquicklichsten, obgleich hie und da getrübten, in die Erde sich verbergenden, sodann aber rein und frisch wieder hervorspringenden Quellwassern“ 3). Und in dankbarer Erinnerung hat er jene bewahrt, die ihn zu diesen Wassern geführt. In frühester Kindheit hat die tief religiöse Mutter die eigene Liebe zur Bibel dem Kinde einzuflößen gewußt. Die Stunden, in denen Herder und Eichhorn jene Neigung in die feste Bahn selbständiger Schaffenskraft hinüberlenkten, erschienen dem gereiften Manne einem ״reinen orientalischen Sonnenaufgang“ vergleichbar4). Gewiß hat Goethe auch mit kritischem Auge in dem Buche des Lebens gelesen, und manchmal, besonders in der stürmenden Jünglingszeit, sich den freien Blick trüben lassen. Doch hat er in späterer Zeit, was in glaubensfeindliehen Schriften geflissentlich verschwiegen wird, die ״wunderliehen Besultate“ jugendlicher Arbeit völlig oder teilweise aufgegeben. 1j Nietzsche: Achtung vor dem ״Alten Testament“ in ״Jenseits von Gut und Böse“. 2) Dichtung und Wahrheit Buch VII. *) Aufsatz ״Alttestamentliches“ in den Noten zum Divan. 4) Aufsatz ״Hebräer“ a. a. O.

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