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Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Probleme der Pentateuchexegese. 135 warum Gott jene Opfer fordert und die einfache Opferung des Sohnes verabscheut. Die Beantwortung dieser Frage ist aber sehr leicht. Den Gott Jsraels erfüllt nach jüdischer Auffassung nicht der Neid auf die Glückseligkeit der Menschen, wie das nach heidnischer Vorstellung bei den Göttern der Fall ist. Er fordert nicht ein Opfer, damit das Glück des Menschen ungetrübt bleibe. Er fordert nur, daß die Menschen Ihm dienen, nicht zu Seinem Nutzen, sondern zu ihrem eigenen Heile. Diesen Dienst verlangt er aber unbedingt, und wenn ein Mensch nur mit seinem oder seines Geliebtesten Tode ihm dienen kann, so muß er dazu bereit sein. Mit der einfachen Opferung eines Menschen ist aber Gott nicht gedient. Im Gegenteil, es ist ein hoffnungsvolles Leben, das im Dienste Gottes stehen sollte, vernichtet. Wo aber mit dem Opfer des Menschen Gott in wahrhafter Weise gedient ist, da ist Menschenopfer oder besser Hingebung eines Menschenlebens für jeden Israeliten Pflicht. — Diese Wahrheit sollte durch die Akeda, durch Abraham gelehrt werden. Daß Gott keine Menschenopfer gebracht werden dürfen, das wußte Abraham. Er hatte auch bisher immer nur Tiere geopfert. איה חשה לעולה fragt Jizchak, ohne im entferntesten auch nur zu ahnen, daß ein anderes als ein Tieropfer gebracht werden könnte. Aber daß man bereit sein muß, sobald es von Gott gefordert wird, auch sein Leben und was einem noch teurer als das eigene Leben, das Leben eines Sohnes zu opfern, das hatte Abraham erst zu zeigen. Gott wollte allerdings von vorneherein nicht die wirkliche Opferung, sondern die Bereitwilligkeit zu opfern, aber damit diese Bereitwilligkeit gezeigt werde, mußte der Befehl so ergehen, daß Abraham die wirkliche Opferung darunter verstand, und erst im entscheidenden Momente die Erklärung gegeben werden, daß die Bereitschaft zu opfern Gott für diesen gegenwärtigen Fall genügt. Damit wurde zugleich die Lehre verkündet, daß, wenn Zeiten und Umstände die wirkliehe Hingabe des Lebens für Gott verlangen. Israel dazu ohne Zaudern bereit sei.

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