Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292946--00648-2293889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

134 Probleme der Pentateuchexegese schlägt der Heiligen Schrift doppelt ins Gesicht: Einmal heißt es ausdrücklich in unserem Abschnitte (V. 16) יען אשר עישית . ... ולא חשבת את בנך daß also das Hauptverdienst Abrahams darin lag, daß er sich bereit erklärt hat, seinen Sohn zu opfern; zweitens hält Geiger, obwohl die Schrift sowohl den Befehl zur Opferung als auch den Befehl zur Einhaltung von Gott ausgehen läßt, alles nur für eine Eingebung des Herzens und des Verstandes von Seiten Abrahams. Nach Geiger wäre Abraham einst die Anwandlung gekommen, nach Art der Molochsdiener seinen einzigen Sohn seinem Gotte zu opfern, er wäre aber dann noch rechtzeitig zur Erkenntnis gelangt, daß der wahre Gott kein Menschenopfer verlange. — Was die Schrift erzählt, ist Geiger ganz gleichgültig. ״Man mag sich, so gut es geht, mit dem Berichte in der Genesis auseinandersetzen״ sagt er. Er ist nicht offen genug, bei der Einführung seiner Reform zu bekennen, daß er den Bericht der Thora für eine Mythe halte, aus der er nur mit Mühe einen lehrreichen Kern herausgeschält, schiebt vielmehr die Schuld auf die Verfasser der Gebete, während letztere in Wahrheit nur das sagen, was die Thora ausdrücklich sagt. Die Frage jedoch, wie Gott ein Menschenopfer verlangen könne, wird von der Geschichte beantwortet. In der Geschichte Israels kommen viele Zeiten vor, wo der Israelit nicht nur bereit war, sich selbst und seine teuersten Kinder seinem Gotte zu opfern, sondern sie auch wirklich opferte, und das sind die glanzvollen Zeiten in der israelitischen Geschichte, wo stärker als der Tod sich die Liebe Israels zu seinem Gotte erwies. Da töten erbarmungsvolle Väter und zärtliche Mütter ihre Kinder mit eigener Hand, um sie nicht der Gefahr auszusetzen, ihrem Gotte untreu zu werden. Warum hält man diese Opfer für glorreiche heroische Taten, während die alten heidnischen Menschenopfer allgemein verdammt werden und auch nach der Thora Menschenopfer dem wahren Gotte darzubringen verhaßt und verabscheut ist? Die nächste Antwort ist, jene Opfer hat Gott geboten, diese aber hat er verboten. Dies verschiebt aber nur die Frage, da wir uns doch auch erklären müssen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.