Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292946--00643-2293884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Das jüdische Soissons. 129 auf dem sie sich befinden. Es ist die Champagne, in deren Gebiet vom 11. Jahrhundert an die zahlreichen Lehrstätten für die talmudische Wissenschaft, die wir im allgemeinen mit der Bezeichnung -die Tosafistenschulen״ kennen, zu immer größerer Entfaltung geführt wurden. Charakteristisch ist es, daß die berühmten Lehrer neben ihrer Lehrtätigkeit auch dem damals zur Blüte gelangten Anbau des Weinstockes ihren Fleiß widmeten. Verschiedene Responsen aus jener Zeit behandeln viele Fälle, in denen das Religionsgesetz hierfür eine Ent- Scheidung forderte. Es ist interessant, wie ein gefeierter Lehrer in jener Zeit sich entschuldigte, sein Gutachten nicht ausführ־ lieh erstatten zu können, weil wir jetzt in der Weinlese zu sehr in Anspruch genommen sind. Ein großer Teil der an die Gelehrten jener Zeit gerichteten Fragen betreffen den von jüdischen Händen gekelterten und hergestellten Wein. Wenn man beachtet, daß erst mit dem 12. und 13. Jahrhundert der Weinbau in der Champagne von seiten der Grafen, der Kirche und der Klöster zu einer größeren Entwickelung geführt wurde, so dürfte die Annahme gar nicht fern liegen, daß der ursprüngliche Anbau im 11. Jahrhundert durch Juden eingeführt worden ist. Raschi und Raschbam, sein Enkel, treffen wir in den Weinbergen oder bei der Kelter, wie ich dies in meiner Schrift ״Zur Charakteristik Raschis“ S. 15 näher nachgewiesen habe. Raschi erwähnt Gen. 49,11 corier als Bezeichnung für den Senker eines Weinstockes, fügt aber noch hinzu ובלשוננו פראוביין, d. h. provin, im Dialekt von Troyes. Das Verbum hiervon mit provenir gebraucht Raschi in seinem Kommentar zu Baba Bathra 19b. wo er auch den Akt des Weinrankens näher beschreibt; man vgl. noch Raschi zu Rosch ha־Schana 9b. An drei Stellen im Kommentar zur Schrift übersetzt Raschi חמר mit vinos, im Sinne von starkem Wein. Noch auf eine andere Bodenkultur in der Champagne aus jener Zeit sei hierbei hingewiesen. Die Urbarmachung des Waldbodens, um Platz zu neuen Anlagen zu gewinnen, wurde vorzüglich in Troyes in größerem Maße durch eigens hierfür begründete Gesellschaften betrieben,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.