Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 3 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Das jüdische Soissons. Stolz in so hohe -Regionen, daß er alles Kleine und Schlechte in den Niederungen zurückläßt. Aber auch wir Juden, vor allem jener überwiegende Teil, der lebt und webt im Glauben und in der Geschichte der Väter, sind von Stolz erfüllt auf jenen Geist, der an der Wiege unseres Volkstums stand und uns durch die Jahrtausende geleitet hat. Wir haben der Menschheit das vermittelt, um dessentwillen allein es sich verlohnt zu leben. Und daß ,,Gott uns errettet hat. obwohl man in jedem Geschlecht und Geschlecht aufstand, uns zu vernichten“ das gibt uns die Bürgschaft, daß wir auch fernerhin zu Großem berufen sind. Es gibt uns auch die Kraft, in allen Stürmen der Herold zu bleiben der allgemeinen Menschenliebe, über alle niederen Regungen des Vergeltungstriebes den Sieg davonzutragen, ob auch noch so stark der Völkerhaß uns umdroht. Denn noch vor dem griechischen Dichter hat es die Bibel ausgesprochen: Nicht mitzuhassen, mitzulieben sind wir da! J. W. ־ hHiMiMüiU; Das jüdische Soissons. Von Prof. Dr. A. Berliner, Berlin. So oft ich in den gegenwärtigen Kriegsberichten aus dem nördlichen Frankreich auch Soissons an der Aisne erwähnt finde, mahnt es mich, mir den allerdings unblutigen Anteil zu sichern, den ich in der Rettung dieses Ortsnamens für die jüdische Literatur mir zuschreiben darf. Worin mein Verdienst besteht, werde ich erst im weiteren Verfolg dieser Skizze darstellen können. Zuvörderst möchte ich unsere talmudisch geschulten Bachurim. deren nicht wenige dort in den Schützengräben lagern, bitten, ihre sorgenvollen Gedanken und ihren ernsten Blick zuweilen auf den jüdisch-klassischen Boden zu richten,