Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 3 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Warum hassen uns die Völker? 127 ihrem Hochmut es durchaus gleichgültig sein soll, was man von ihnen denkt. Ein fassungsloses Staunen, ein selbstquälerisches Grübeln war die erste Folge. Man hat unsere krampfhaften Bemühungen, aufklärend zu wirken, als unwürdig bezeichnet, den Aufruf der deutschen Kulturträger als unpraktisch und geradezu schädlich gekennzeichnet. Aber diese ganze Arbeit stellt für alle Zeit ein wertvolles Dokument dar von der Tiefe deutschen Empfindens, daß wir leiden, wenn wir uns verkannt sehen, daß wir mit uns selbst zu Kate gehen, ob wir nicht doch in unserem eigenen Selbst die Ursachen zu suchen haben. Und noch viel weniger wie die Franzosen, die in einen Paroxysmus des Hasses und der Rachsucht verfallen. Eine große Zahl Einzelner unter uns, und darunter vor allem die ״Heimkrieger“, haben sich nicht überwinden können. Aber in seiner Gesamtheit bietet das deutsche Volk ein wunderbares Bild. Von den Kundgebungen der Hochstehenden bis zu den Äußerungen derer, die aus dem Volke zu Worte kommen,, überall das Streben, zu verstehen und zu verzeihen, der Ausdruck des Zornes, aber nicht des Hasses, Wahrheit und Gerechtigkeit zu betätigen auch dem Feinde gegenüber. Sollten unsere nichtjüdischen Mitbürger auch nicht für uns Juden daraus die Lehre ziehen, sollten sie sich nicht sagen daß auch wir dieser Selbstüberwindung fähig sind? Sie werden billigerweise nicht verlangen, daß. die Einzelnen, denen unter Anstiftung und Führung des Moskowitertums die Kinder erschlagen, die Frauen geschändet, die Eltern gemartert wurden, andere Gefühle als die des Hasses gegen ihre Peiniger beseelen. Aber sie sollten sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß die Juden in ihrer überwiegenden Mehrheit die Abneigung, die ihnen entgegengebracht wird, auch in dem Innersten ihrer Seele nicht erwidern. Den Deutschen ist freilich eine leichtere Aufgäbe zugefallen. Wen das Bewußtsein beseelt, den Völkern auf allen Gebieten des Wissens und Wirkens voranzuschreiten und wer zugleich mit dem Schwerte in der Hand allen seinen Feinden zu widerstehen vermag, wer Taten vollbringt, wie sie die Weltgeschichte noch nie verzeichnet-, den hebt der edle