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Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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124 Warum hassen uns die Völker? manchen Charakterzügen des Juden und des Deutschen zu ziehen. Aber das alles schwebte in der Luft. Nur das Eine geht unzweideutig aus dem Erlebnis dieses Weltkrieges hervor: Einer zweiten großen Gruppe von Menschen, die sich durch irgendwelche Besonderheiten auszeichnen und unter anderen Völkern dem Erwerb nachgehen oder sich dauernd ansiedeln, sobald sie einerseits sich ihnen assimilieren und andererseits doch nicht völlig in sie aufgehen, ist das gleiche Schicksal beschieden. Nachdem ihre Zahl unbequem geworden und der Erfolg sich an ihre Arbeit heftet, dann beginnt die Verleumdung ihr Werk, Unkenntnis des Wesens dieser Menschen erleichtert ihre Verbreitung, und der Neid ist als dritter im Bunde geschäftig,, daß der Haß immer tiefer Wurzel schlage. Die Erkenntnis hat uns schon früher nicht gefehlt, aber sie ist jetzt zu einem tiefwirkenden Erlebnis geworden und darum zu einem unverlierbaren Gewinn. Als wir früher im Besitze eines eigenen Staates waren und auch später, da wir abgeschlossen von der Außenwelt eine in sich geschlossene Kultur unser eigen nannten, da wurde unser Körper wohl mißhandelt, aber unsere Seelen litten nicht allzusehr unter dem allgemeinen Völkerhaß. Seit einigen Menschenaltern ist das anders geworden und die Judenfrage wurde auch für die Juden eine Frage, ein Problem. Die Bibel hat uns von einer ähnliehen Umwälzung im Innern des Juden berichtet, die ihn in Gefahr brachte, an einem Grundpfeiler der jüdischen Religion, an dem Gedanken, daß der Mensch durch sein eigenes Tun Herr ist seines Schicksals,Jzu verzweifeln und dem Glauben an ein Fatum sich zu ergeben. Die Generation derer, die Zeugen waren des Untergangs des jüdischen Reiches, hatte das Gleichnis aufgebracht: ״Die Väter haben saure Trauben gegessen, und die Zähne der Kinder sind davon stumpf geworden.־‘ Und Ezechiel mußte in immer wiederholten Mahnungen sie darauf verweisen, daß ein jeder nach seinem eigenen Tun gemessen wird, einem jeden die Freiheit gegeben ist, die Gnade Gottes wieder von neuem zu erwerben (Ez. Kap. 18). So ist es auch unserer Generation mit dem allgemeinen Völkerhaß ergangen►

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