Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 3 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Warum hassen uns die Völker? 12; Und wenn viele unter uns sieh noch so sehr vor Augen hielten, daß wir bei allen Fehlern doch so manche Vorzüge besitzen und den Vergleich mit anderen Gemeinschaften nicht zu scheuen hätten, die allgemeine Völkerstimme tönte allzugrell in unsere Ohren, und es tauchte in manchen der Gedanke auf. ob nicht doch das Recht auf seiten unserer Gegner sei. Aber nachdem sie erfahren, welch lodernder Haß alle kultivierten Völker gegen ein Edelvolk, wie es die Deutschen sind, erfüllt, wie fast alle Anklagen gegen die Juden auch gegen diese ins Feld geführt werden, wie die gleichen Ur- Sachen wirksam sind und mit den gleichen Mitteln gearbeitet wird, dann wird, so hoffen wir, das Argument, das in der Übereinstimmung aller Völker in der Abneigung gegen die Juden liegt, seine Kraft verlieren, dann wird der Glaube an den eigenen Wert wieder in ihnen lebendig werden und die selbstquälerische Hoffnungslosigkeit in ihnen schwinden. Für uns und die Stärkung unseres Selbstbewußtseins erwarten wir diesen Gewinn. Ob die nichtjüdische Mitwelt und, was vor allem Deutschland betrifft, unsere nichtjüdischen Mitbürger die rechte Lehre für die Würdigung der Juden aus dieser überwältigenden Erscheinung des Deutschenhasses ziehen werden, das wissen wir nicht. Vielleicht geht aus dem Feuer der Läuterung, die uns die große Zeit gebracht, ein neues Geschlecht hervor, das gegen die Verleumdung gefeit ist. die Seelen derer, auch wenn sie ihm nicht völlig verwandt sind, tiefer zu ergründen sucht und den niedrigen Regungen der Mißgunst sich verschließt. Vielleicht! Es ist müßig, darüber zu reden, denn das liegt nicht in unserer Hand. Aber an uns sollen die Lehren dieser Zeit nicht spurlos vorübergehen. Nur ein Wort möchten wir an unsere vielen nichtjüdischen Mitbürger richten, an die vielen, die uns an sich wohlwollend gesinnt sind und nur vorübergehend der Macht der Suggestion erliegen. Auch sie meinen wohl, daß der Jude den allgemeinen Haß mit doppeltem Haß vergilt־, und sie finden es nur natürlieh, daß auf die Äußerungen der Feindschaft diese Reaktion eintritt. Es will ihnen nicht einleuchten, daß die Worte von