Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 3 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Warum hassen uns die Völker? Wege über den Yolkssehullehrer und Unteroffizier oft in seitsamer Vermummung das Wesen des ganzen Volkes durchdrungen und daß der deutsche Militarismus und die deutsche Sozialdemokratie Bruder und Schwester sind, gezeugt von demselben Geiste, genährt von den gleichen Kräften, dem Pflichtgefühl unserer großen Philosophen, dem Idealismus unserer klassischen Dichter. Ebensowenig bietet die Thora und der Talmud dem Nichtjuden ohne weiteres die Möglichkeit, in das innerste Wesen der jüdischen Gedanken- und Gefühlswelt einzudringen. Da steht vieles nebeneinander und, soweit es gesetzliche Vorschrift, ist es auszuführen. Welche Stellung es aber im ganzen einnimmt, das kann nur der Jude aus der ganzen religiösen Atmosphäre, wie sie ihn umgibt, erfassen. Es wird ihm oft gar nicht bewußt. Die Tradition der Gesamtheit wirkt hier ohne sein Wissen ein. Nehmen wir ein Beispiel: Wäre auch Chamberlain viel weniger voreingenommen und viel mehr zu den Quellen unserer Literatur vorgedrungen, er hätte doch kaum begriffen, daß das Ideal der Reinerhaltung der Rasse, das er den Juden imputiert und das er zu einem der Grundpfeiler seines Buches macht, ein Schemen ist, ein Gebilde seiner eigenen Phantasie. Er liest die Verbote, heidnische Prauen zu nehmen, er sieht das jüdische Volk durch Jahrtausende abgesondert. Daß es sich hier nur um die Folge der Beobachtung eines biblischen Gebotes handelt und daß in keinem Juden je der Ekel vor der Vermischung mit fremdem Blute sich geregt, daß die Idee, die Rasse rein zu erhalten, völlig ausgeschaltet ist, daß die Ehe mit einer, die aus ehrlicher Überzeugung zum Glauben Israels übergetreten ist, völlig gestattet ist, das hat er nicht gelesen und darum eben nicht verwerten können. Bedarf es der weiteren Ausführung, wie auch die dritte der für den Deutschenhaß erwähnten Hauptursachen so ganz und gar dem Judenhaß zugrunde liegt? Wird irgend Einer, der nur den geringsten guten Willen mitbringt, objektiv zu urteilen, es bestreiten, daß die Juden durch ihre Bedürfnislosigkeit einerseits und durch ihren Fleiß und Beweglichkeit andererseits zuerst die Verachtung und dann den Neid