Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 3 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Warum hassen uns die Völker? In stärkerem Umfang ist das Moment der Unwissen־ heit wirksam. Wählen wir einen kleinen Ausschnitt als Beispiel; aber was hier festzustellen ist, gilt überall. Was wissen die Bewohner der deutschen Beichshauptstadt von den Juden? Sie beobachten zu ihrem Verdruß und ihrer Entrüstung das Treiben der ,.vornehmen“ Gesellschaft in der Tauentzienstraße, das bei allen anderen Juden in noch viel höherem Maße sittlichen Ekel erregt als bei unseren nichtjüdischen Mitbürgern. Oder sie sehen gewisse Herren in der Friedrichstraße, die Chamberlain Modell gesessen 1). Wir wollen ganz davon absehen, daß es sowohl in der Tauentzienstraße wie in der Friedrichstraße durchaus international zugeht, daß die betreffenden Juden nur einen Bruchteil der sich dort unangenehm geltend machenden Gesellschaft bilden, daß es sich um Menschen handelt, denen nur im müßigen Treibend er Straße wohl ist. und die darum, so gering sie an Zahl sind, immer und immer wieder zu sehen sind. Aber viele von denen, die verallgemeinern und sagen: ״das sind die Juden“ haben einen jüdischen Arzt und einen jüdischen Rechtsanwalt, einen jüdischen Bankier und einen jüdischen Agenten. Sie haben sie wahrlich nicht gewählt aus Liebe zu den Juden, sondern weil sie ihnen als tüchtig und gewissenhaffc in ihrem Beruf empfohlen waren. Sie haben sie beibehalten und sie als charakterfeste und liebenswerte Menschen erkannt, mit denen sie ein festes Band des Vertrauens, oft der Liebe verknüpft. Aber ״das sind die Ausnahmen“. Und daß es unter den hundertundfünfzig tausend Juden Großberlins eine Unzahl von Männern gibt in allen Berufen und allen Ständen, in hoher und niedriger sozialer Stellung, von idealem Streben erfüllt und im Dienste schwerer, aufreibender Arbeit, treffliche Diener der Gemeinden und des Staates, sie perzipieren all dergleichen, aber sie apperzipieren nicht, sie hören es wohl, aber sie merken es nicht. Und dort, wo das Streben herrscht, wirklich in das Wesen der Juden und des Judentums einzudringen, welche fälsche ״ (גGrundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“, 3. Aufl. S. 272.