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Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Warum hassen uns die Völker? 119 Von dem Augenblick, da das Judentum aus seinem engen Kreis heraus in die Welt trat, von der Zeit, da es eine Diaspora gab. hat der V erleumdungsfeldzug nicht ausgesetzt bis auf den heutigen Tag. Von den römischen und griechischen Schriftstellern der Kaiserzeit bis zur antisemitischen Literatur der heutigen Tage, von Apion bis Chamberlain zieht sich eine ununterbrochene Kette. Mit allen Mitteln und allen Formen ist in diesen Jahrtausenden daran gearbeitet worden, dem Geiste der Völker ein Bild des Juden einzuprägen, das ihn zum Gegenstand des Hasses und des Abscheus machen muß. Hier haben die mannigfaltigsten Charaktere mitgearbeitet, hier waren die verschiedensten Motive wirksam: Verleumder, die aus der Verleumdung ein Geschäft machten, auf den Absatz ihrer Schriften und auf gewinnbringende Popularität hofften, wenn sie die Wehrlosen schänden würden. Rachsüchtige Individuen, die eine Niederlage, die sie durch eine Person erlitten, ein ganzes Volk entgelten lassen wollten. Fanatiker, die im Banne der fixen Idee von dem ungeheuren Einfluß und furchtbaren Gefährlichkeit der Juden im Paroxysmus ihrer Überzeugung weittragende "Wirkung zu erzeugen wußten. Gelehrte, die ihrem durchaus persönlichen, gehässigen Empfinden das Mäntelchen objektiver Darstellung anhängten, ob sie Geschichtsschreiber waren, Nationalökonomen oder Theologen. Künstler, die irgend eine sachliche Gegnerschaft auf das Gebiet des Rassengegensatzes hinüberspielten, weil sie hier das wirksame Schlagwort gefunden zu haben glaubten. Politiker, welche die Schwierigkeiten, die sich ihnen im Innern boten, durch eine Ablenkung auf die Juden zu überwinden hofften. Mit wenigen Ausnahmen, die nur die Regel bestätigen, ist alles, was seit Jahrtausenden von den Juden gesprochen und geschrieben wurde, gegen die Juden gerichtet gewesen. Dürfen wir uns wundern, daß da der Haß gegen die Juden ein habitueller geworden, ein integrierender Bestandteil des Seelenlebens, der in ruhigen Zeiten schlummert, aber bei jedem Konflikt mit elementarer Gewalt hervorbricht.

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