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Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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113 Warum hassen uns die Völker? iiberfllügelte, das mit Riesenschritten vorwärts kam und in Wahrheit als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelten mußte. Ein Grauen überkam die anderen Völker, und das Deutschtum wurde ihnen zu einem unheimlichen Wesen. Das waren die Gefühle und Triebe, die schon vor dem Kriege unter der Schwelle des Bewußtseins lagerten, gebändigt durch die Macht des bewaffneten Friedens, niedergedrückt durch die Bedürfnisse der Völker, die unser Wissen und Wirken nützten und von ihrem Überfluß an uns abgeben mußten, verdeckt durch den Firnis einer Kultur, welche auch dem Todfeinde mit Höflichkeit zu begegnen verpflichtet. Doch als bei der großen Katastrophe die Leidenschaften entfesselt wurden, da brach auch der Haß seine Bande, der uns nur dann so unbegreiflich erscheint, wenn wir seinen Ursachen nicht nachgehen. Es gibt noch einen anderen Völkerhaß; gerichtet gegen eine Gemeinschaft von Menschen, die durch ihre Abstammung, ihren Glauben, ihre Leidensgeschichte zu einer Besonderheit zusammengeschlossen sind. Dieser Haß stimmt in seinen Erscheinungsformen und seinen Ursachen Zug um Zug überein mit der Schilderung, die wir eben versucht. Es ist Keinem gegeben, daß er sich durchaus klar sei, wie seine Gedanken sich zu einem Ganzen geformt. Aber ich erkläre feierlich, daß ich, so weit mir bewußt, die obige Darstellung, die Gruppierung der Tatsachen und ihrer Gründe völlig unabhängig von jeder Beziehung zum Judentum gedacht und niedergeschrieben. Es ist nicht meine Schuld, daß das Bild des Deutschen- und des Judenhasses sich zum Verwechseln ähnlich geworden. Wir können hier nicht in die Erörterung der Einzelbeiten eintreten. Es ist auch nicht nötig. Der Leser, der das Obige mit Aufmerksamkeit gelesen, wird bei jedem Punkte die Analogien finden. Nur bei den drei angegebenen Haupt- Ursachen wollen wir verweilen.

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