Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 3 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Warum hassen uns die Völker? 117 daß doch die Assimilation restlos gelang und nach Absicht vieler Deutschen gelingen sollte. Von welchen Gefühlen die ursprünglichen Einwohner gegen die deutschen Einwanderer schon vor anderthalb Jahrhunderten beseelt waren, zeigt uns ein merkwürdiger Brief Benjamin Franklins, der um so beachtenswerter ist, als er von einem der größten Amerikaner herrührt ]): ״Ich fürchte, daß strenge Maßregeln in bezug auf die Deutschen notwendig werden mögen. Sie sind im allgemeinen indiskret, schwer von Begriff, leichtgläubig und unwissend, und gegen ihre Vorurteile ist schwer anzukämpfen. Da sie in ihrem Leben nie an Freiheit gewöhnt waren, so wissen sie auch keinen bescheidenen Gebrauch von derselben zu machen. Im gegenwärtigen Augenblick sind sie zwar sehr unterwürfig gegen die!Regierung, und ich hoffe, daß sie es auch fernerhin sein werden, obwohl einzelne Umstände mich daran zweifeln lassen. So erinnere ich mich z. B. noch sehr wohl der Zeit, als sie bescheiden ablehnten, an unseren Wahlen teilzunehmen, während sie jetzt in ganzen Schwärmen an den Stimmkästen erscheinen und, ausgenommen in einer oder zwei Grafschaften des Staates, alles vor sich hertreiben. Kurzum wenn der Strom der deutschen Einwanderung nicht aus Pennsylvanien nach anderen Kolonien geleitet werden kann, so werden sie bald an Zahl uns so überlegen sein, daß wir nicht imstande sein werden, unsere Sprache zu retten, und vielleicht ist es dann gar um unsere freie Be־ gierung getan. . . . Dennoch möchte ich sie nicht ganz und gar aus unseren Kolonien verbannt wissen. Was mir notwendig erscheint, ist .... mit allen Mitteln gegen die nichtswürdige Praktik so vieler unserer Beeder anzukämpfen, welche sich nicht entblöden, die Gefängnisse Deutschlands zu leeren, um ihre Schiffe mit Emigranten zu füllen. Ich wiederhole, ich bin nicht gegen die Aufnahme der Deutschen im allgemeinen, denn sie haben auch ihre Tugenden. Ihr Fleiß und ihre Frugalität sind exemplarisch. Sie sind vorzügliche Landwirte und tragen viel zur Urbarmachung des Landes bei. Und dazu kam die Furcht. Nicht so sehr vor den Eingewanderten, sondern vor dem Heimatlande dieser Menschen, das im kleinen Baume eine so ungeheure Kraft entfaltete, das auf allen Gebieten menchlichen Wirkens die anderen Völker ג) Aus Westcotts ״Geschichte von Philadelphia“ angeführt von Prof. Karl Knortz in seiner Schrift: ״Die Deutschfeindlichkeit Amerikas“ S. 33 f. Vgl. auch dort S. 34 f. das Nähere darüber, das alles in dem oben zitierten Briefe Mitgeteilte nicht den Tatsachen entsprach, daß Franklin selbst dem an anderer Stelle widerspricht u. s. f.