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Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Warum hassen uns die Völker? 113 uns gehört. Alle Kulturvölker, mögen sie es in "Wirklichkeit sein oder nur mit den Füttern der Kultur sich behängen, haben die französische oder englische Sprache als Vermittler erwählt. Frankreich aber hat seit dem deutsch-französischen Kriege, England seit dem Aufkommen des Imperialismus sein ganzes Augenmerk darauf gerichtet, überall und bei jeder Gelegenheit durch die literarischen Produkte seiner Sprache Haß und Mißtrauen gegen Deutschland zu säen. Mochte so mancher den einzelnen Deutschen kennen und schätzen gelernt, mochte so vieles Gute von der Tüchtigkeit und Gediegenheit dieser Menschen an ihr Ohr dringen, was half es? Las man doch jeden Morgen und Abend Auszüge aus dem Figaro und Matin, aus der Times und der Daily Mail, und fiel doch so Tropfen auf Tropfen, daß auch der Stein des felsenfesten Vertrauens gehöhlt werden mußte. Was bedarf es da der weiteren A.usführung? Daß der Verleumdungsfeldzug geführt wurde, ist jedem bekannt, und was ein ununterbrochen geführter Verieumdungsfeldzug vermag, nicht minder. Auch die Verleumdung hat ihre Grenze. Sie stumpft sich ab, und ihr Gift wird zum Teil doch unschädlich gemacht, wenn man dem Verleumdeten nähertritt. Aber eben diese Annäherung wurde verhindert durch das zweite Moment: Die Unkenntnis vom Wesen des Deutschtums. Was der Deutsche in Wirklichkeit ist, davon hat nur ein kleiner Bruchteil der nichtdeutschen Menschheit eine rechte Vorstellung. Zahllos sind da die Ursachen, wenn wir ins einzelne gehen. Zunächst wird das ganze Volk nach den Individuen beurteilt, die dem Betrachter in den Weg kommen, und zwar geschieht dies — da der Mensch offenbar in seinem Urteil über den Nächsten pessimistisch veranlagt ist — niemals in der Form, daß er aus den edlen Eigenschaften Einzelner, die er kennen gelernt hat, einen Schluß auf die Vortrefflichkeit des Volkes zieht, dem diese angehören. Umgekehrt wird immer für das Häßliehe und Schlechte, das man an einer kleinen Gruppe beobachtet hat, das ganze Volk verantwortlich gemacht. Ein Beispiel: Bekannt ist die Abneigung der Italiener gegen die deutschen

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