Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292946--00626-2293867
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

112 Warum hassen uns die Völker? aus, der Haß schöpft seine Nahrung aus den Quellen, die unter der Schwelle des Bewußtseins fließen, darum bleibt er jeder Belehrung unzugänglich, darum wütet er gegen den Nutzen des eigenen Staates, wenn nur den Verhaßten Abbruch geschehen kann. Unnötig zu betonen, daß dieser Haß mit der Hülle eines sittlichen Ideals bekleidet werden kann, ja daß die von ihm Erfüllten oft ehrlich davon überzeugt sind, mit der Betätigung dieses Hasses der Menschheit oder zum mindesten ihrem Volke zu dienen. Wir haben uns hiermit den Weg zur scharfen Formulierung des Problems gebahnt. Es lautet nicht, warum hassen uns die Engländer, Franzosen und Russen? nicht, warum sind uns jetzt die Neutralen feindlich gesinnt? Sondern die Frage ist, was sind die Gründe für die schon früher vorh an de ne Abneigung aller der Völker, die politisch nicht unsere Gegner waren und jetzt mit uns nicht im Kampfe stehen. Wie erklärt es sich, daß diese Abneigung so viel Zündstoff häufen konnte, daß die Funken, welche der Krieg und die Lügen unserer Feinde hineinwarfen, so reiche Nahrung fanden und von allen Seiten uns die züngelnden Flammen des Hasses umlodern? Für die Beantwortung der Frage sind wir auf die Berichte derer angewiesen, die durch ihre Persönlichkeit, ihre Stellung, ihr Wissen und ihre Vertrautheit mit den Verhältnissen der Völker, die sie schildern, die Bürgschaft dafür bieten, daß ihre Mitteilungen sachgemäß und wahrheitsgetreu sind. Mag auch dem einen oder dem andern manche Ungenauigkeit, manche subjektive Zutat unterlaufen, die Summe aller Schilderungen wird im wesentlichen ein richtiges Bild ergeben. Und da glauben wir auf Grund dieser Quellen alle die mannigfachen Gründe und Ursachen auf drei Hauptursachen zurückführen zu können: Die erste ist die Verleumdung. Seit Jahrzehnten haben die Völker dort, wo die überwiegende Mehrzahl der Menschen ihre Bildung schöpft, in den Zeitungen, in der schöngeistigen Literatur, auf der Bühne nur Schlechtes von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.