Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeit nach innen. 99 es war in erster Linie ein Kampf um die geistigen und sittliehen Güter des Volkes. Mit dem Aufhören der staatlichen Selbständigkeit waren die Juden von selbst mehr auf die innere Arbeit verwiesen״ Es gab freilich auch in der Zerstreuung noch eine äußere Politik: sie bestand in der Abwehr der Verfolgungen, in dem Bestreben, Schutzmaßregeln zu treffen gegen den Vernichtungskrieg, den die Judenfeinde zu allen Zeiten gegen Israel führten. Der Verkehr mit den Machthabern war sehr wichtig, und die ״Schtadlanim“ mußten oft über nicht geringe diplomatische Fähigkeiten verfügen, um ihrem Volke wenigstens die primitivsten Lebensmöglichkeiten zu erhalten. Aber im Grunde war der Zweck dieser Politik ja auch nur, die Vorbedingungen für die innere Arbeit zu schaffen, die Existenz des Volkes, das nur seinen geistigen Aufgaben lebte, sicherzustellen. Die Neuzeit brachte auch in dieser Hinsicht eine Umwälzung für das Judentum. Durch die Emanzipation mußte naturgemäß die bisher ganz nach innen gekehrte Betätigung teilweise in eine andere Richtung gelenkt werden. Nun aber verfielen weite Kreise in das entgegengesetzte Extrem: sie sahen die wichtigste Aufgabe in der äußeren Anerkennung des Judentums seitens der Andersgläubigen und des Staates. Die bürgerliche Gleichstellung war das einzige Ziel, das man erstrebte, und der Erreichung dieses Zieles mußte sich alles unter ordnen. Auch die innere Arbeit mußte sich jetzt diesem Zweck anpassen, auch die Religion Israels sollte im Hinblick darauf salonfähig gemacht werden. Es war selbstverständlich, daß das Streben, mit den Andersgläubigen auf allen Gebieten moderner Bildung zu wetteifern, das Thorastudium in den Hintergrund drängte. Aber auch die Umgestaltung des Gottesdienstes geschah lediglich nach dem Gesichtspunkt, wie er auf die Außenwelt, auf die Andersgläubigen wirken würde. Die Gebete, welche die Zukunftshoffnungen Israels, die Wiederherstellung Palästinas und des Tempels zum Gegenstand hatten, wurden gestrichen; denn sie konnten ja Anlaß geben, den Patriotismus der Juden anzuzweifeln. Die Opfergebete mußten