Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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IOO Arbeit nach innen. Wegfällen; denn Tieropfer entsprechen nicht dem modernen Empfinden. Dagegen sollte die christliche Orgel dem jüdischen Gottesdienst eine höhere Weihe verleihen. — Auch die unablässigen Bemühungen, dem Judentum eine staatliche Organisation zu geben, die schon zu schweren Kämpfen innerhalb der Judenheit geführt haben, sind nur von diesem Standpunkt aus zu begreifen. Die staatliche Organisation soll die Vorstufe bilden für die staatliche Anerkennung. Zu welchen bedenkliehen Konsequenzen diese Politik, der die äußere Anerkennung oberste Richtschnur ist, führen muß, dafür haben wir in Baden mancherlei Beispiele. Und wenn wir sehen, mit welcher Beharrlichkeit und mit welchem Pathos von manchen Seiten die Ausschließung der Juden aus dem Offiziersstande in den letzten Jahren bekämpft wurde, so könnte man glauben, daß davon allein das Gedeihen und der Fortbestand unserer Glaubensgemeinschaft abhängig sei. Gewiß ist es berechtigt und notwendig den Zurücksetzungen und rechtlichen Benachteiligungen unseren Glaubensgenossen entgegenzutreten. Aber man sollte doch dabei niemals vergessen, daß die staatliche Anerkennung einzelner Juden und des Judentums für seine innere Erstarkung nur sehr geringe Bedeutung hat. Aus den gegenwärtigen Ereignissen schöpfen die Vertreter der äußeren Politik neue Hoffnungen. Sie erwarten, daß die Begeisterung, mit der die Juden sich dem Vaterlande zur Verfügung gestellt, die Opferfreudigkeit, die sie auf allen Gebieten bewiesen haben, ihnen die langersehnte volle Gleichberechtigung bringen, daß es nach dem Kriege nicht nur keine Parteien, sondern auch keine Konfessionen mehr geben wird. Und sie hoffen, daß die gemeinsam bestandene Gefahr, die Waffenbrüderschaft auf den Schlachtfeldern auch den gesellschaftlichen Antisemitismus beseitigen und die Schranken zwischen Juden und Christen hinwegschaffen wird. In diesem Sinne hat sich erst vor kurzem ein jüdisches Blatt ausgesprochen. Warten wir ab, ob diese Optimisten Recht behalten werden. Einstweilen aber sollten manche Tatsachen auch ihnen zu denken geben. Ist es z. B. nicht merkwürdig, daß die christlichen.