Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Arbeit nach innen. Die beste Illustration zu dieser Auffassung der nationalen Aufgaben Israels bildet das Königsgesetz der Thora. ״Er soll sieb nicht zu viel Pferde halten — er soll sich nicht zu viel Frauen nehmen — und Silber und Gold soll er nicht zu viel besitzen.“ Alles, was zu einer glänzenden Hofhaltung, zu einer ״imperialistischen“ Auffassung des Königtums führen kann, ist verboten. Dagegen soll ״das Buch der Lehre bei ihm sein und er soll darin lesen alle Tage seines Lebens, damit er lerne, den Ewigen, seinen Gott, zu fürchten, alle Worte dieser Lehre und diese Satzungen zu beobachten und auszuführen.4‘ Und der einzige König, der die Grenzen des Beiches wesentlich erweiterte und durch seine Waffentaten den Nachbarvölkern Schrecken einflößte, David, lebt im Bewußtsein des Volkes nicht als Kriegsheld fort, sondern als Psalmsänger. Später hatte das Streben, nach außen eine Bolle zu spielen und politische Biindnisse zu schließen, niemals einen wesentlichen Erfolg. Mommsen hat das Wort geprägt, daß dem Judentum die ״staatenbildende Kraft“ fehle; das könnte als eine Herabsetzung erscheinen, aber in Wirklichkeit wird die Tatsache, daß die Juden kein ״Weltreich‘4 nach dem Muster der Assyrier und Babylonier zu bilden vermochten, reichlich dadurch aufgewogen, daß sie die wichtigsten Elemente für die geistige und sittliche Kultur der Menschheit geliefert haben. Die Propheten, die wir ebenso als Vertreter der geistigen Elite des Volkes wie als das Gewissen der Nation betrachten dürfen, betonen immer wieder, daß die Blüte und das Gedeihen des Staates von der inneren Arbeit, von der Erfüllung der Lehre und der Gottesgebote abhängig sei. Jesaja eifert gegen das Bündnis mit Ägypten, Jeremija fordert Unterwerfung unter die babylonische Macht* beides von einem (im landläufigen Sinne) ״nationalen“ Standpunkt vielleicht zu verwerfen. Aber die ״Politik“ dieser Männer ist eben nur vom Standpunkt ihrer Auffassung des Judentums und seiner Aufgaben zu begreifen. Der große Aufschwung während der Periode des zweiten Tempels, zur Zeit der Makkabäerkämpfe, hat, man mag darüber sagen, was man will, seine Impulse auch nur aus dieser Auffassung des Judentums empfangen: