Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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90 •כלזל טוב und Monden werden die bewunderten Geistesgrößen verglichen; ״die Sonne geht auf und unter“; das heißt: Kein Großer stirbt, es sei denn für ihn durch einen anderen Ersatz geschaffen.“ Moses ist die Sonne, Josua der Mond. Gewiß; das sind nur Bilder; sie haben jedoch ihre Wurzel im tiefen Boden uralter Traditionen aus Zeiten, die von solcher Überzeugung erfüllt und gekennzeichnet waren. Jüdische Geistesgröße, jüdischer Offenbarungsglaube hat gegen solche Irrung seit Sinais Tagen mit Erfolg gekämpft; nur in dichterischer Phantasie sind Reste geblieben, in der Sprache des Volks; Zeugnis dafür ist die Midraschliteratur, die alles in ihr gastliches Haus lud, was an Gedanken und Geschichten der Vorzeit noch lebendig im Gedächtnis der Zeiten ihres Entstehens war. Wir wollten diese wundersame, geheimnisvoll raunende Sprache, diese durch Jahrtausende wandelnden Gestalten nicht missen. Im Gegenteil. Sie sind uns lieb gewordene, auch für die Wissenschaft des Altertums kostbare Reliquien, die wir verstehen und begreifen, sind Teile eines großen Glaubens, einer religiösen Stimmung der Nationen, sind ״Stimmen der Völker“, die uns etwas zu sagen haben. Wir befolgen des Dichters Wort: ״Ehret das Gesetz der Zeiten und der Monde heilger Gang, welche stillgemessen schreiten in melodischem Gesang.“ ״Das Gesetz der Zeiten“ war unseren Ahnen heilig und ist es auch uns. Der Monde heiliger Gang nicht minder. Man braucht nur an die Weihe des Neumonds zu denken und an die Feierlichkeit seiner öffentlichen Verkündung. Die astronomischen Tabellen Rabban Gamliels galten als angesehene Quelle für das Kalendarium. Und welche Rolle das Abhören der Zeugen spielte, die den verjüngten Mond gesehen hatten, bedarf nur der Erwähnung. Bis zur feierlichen Einsetzung des vollsten religiös-nationalen Festes, des Pessach, hat nach dem Midrasch Gott die Tage, Monate, Jahre bestimmt; mit dem Worte der Schrift ״dieser Monat ist Euch der erste der Monate“ ward die Berechnung dem Menschen überlassen und anvertraut; der Himmelsrat richtet sich von da ab nach