Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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88 מזל טוב dieses aber ist ein Werk der Gestirne und ihrer Stellung zueinander. Tag und Nacht, Frühling, Sommer, Herbst, Winter, alles Arbeit der Sterne. Des Menschen Gemüt und Geblüt spüren diese stille Arbeit in Leib und Seele. Werden und Wachsen Wachen und Schlafen, Arbeit und Ruhe, Säen und Ernten, Entstehen und Vergehen, alles lenken und begleiten des Himmels Gestirne. Alles Irdische ist abhängig vom Himmlischen. Solche Überzeugung drängt sich dem antiken Menschen mächtig auf, läßt ihn nicht ruhen, bis er die ewigen Gesetze der Welt des Firmaments in Übereinstimmung gebracht hat mit den Gesetzen des Erdengeschehens; eine Harmonie hergestellt hat zwischen Sphären des Himmels und Aren des Erdballs. Es ist ein epochaler Riesenschritt bis zu der Erkenntnis: ״Wenn ich den Himmel sehe, deiner Finger Werk, Mond und Gestirne, die Du eingesetzt, dann spreche ich: Was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest“. Ist doch die Warnung vor Anbetung und Verehrung der Gestirne, die Gott anderen Völkern überlassen hat, dem Volke Israel oft genug eingeprägt worden. Der Hang danach muß gar groß gewesen sein? Die ״Königin des Himmels“ lockte immer wieder zu ihrem Dienst. Ihr und der Gestirne Walten war zu sichtbar, zu fühlbar. Und dann. Selbst die Patriarchen huldigten der Sternenkunde. Stellte doch — nach uralter Sage — Vater Abraham das Horoskop; derselbe, der in der Urheimat aller astrologischen Wissenschaft, im Chaldäerlande, in seines Vaters Hause, zwölf Götzen mit Kinderhand zertrümmerte, die Sinnbilder der zwölf Monate waren. Als der von ihm zuerst erkannte und verehrte einzige Gott ihn hinausführte in sternklarer Nacht, um ihm zu zeigen, wie zahlreich seine Nachkommenschaft sein würde, sollte er nicht in den Sternen lesen, sondern die Gottesverheißung vernehmen. ״Du sollst ein Prophet sein, aber kein Astrolog“, hieß es; du sollst über die deine Zeit beherrschende Weltanschauung, die in dem Sternenregiment die Regelung des Weltgeschehens sieht, hinauswachsen und Verkünder der Gottesidee werden, In jedem