Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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.מזל טרב 87 ״ein guter Stern sei dir beschieden“, respektive: ״Das Ereignis möge in eine günstige Konstellation der Sonne mit einem der Tierkreiszeichen gefallen sein.44 Wer denkt daran? Ganz im Gegenteile. Wenn ein frommer Jude מזל טוב sagt, denkt er sicherlich an den lieben Gott, als an den Spender und Sender alles Guten, den Lenker und Leiter der Schicksale. Es wäre schade um das altvertraute, schöne Wort, wenn es verloren ginge, weil sein Ursprung heidnisch ist. Wenn aber des Judentums religiöse Vergeistigung vermocht hat, daraus einen tief frommen Wunsch zu gestalten, dann mag es bleiben trotz seiner Herkunft und Abstammung. Es hat immerhin einen uralten Stammbaum, der ungefähr so alt ist als die Kultur des Menschen. Zu den Sternen zog ihn ein mächtiges Sehnen. Die von Millionen flimmernden Lichtern strahlende Nacht des Himmels erschien dem Menschen frühester Antike auf dem ganzen Erdreich wie ein Geheimnis, in das man dringen, ein tiefes Rätsel, das gelöst sein wollte. Sonne und Mond, die großen Lichter des Tages und der Nacht, die mächtigen Zeiger und Weiser der Weltenuhr, erweckten zeitig Ehrfurcht und Furcht. Anbetend kniete die Menschheit vor ihnen, als wie vor Göttern. Der große Maimonssohn Moses hat recht, wenn er die Veredlung und Heiligung dieses immerhin begreiflichen Götzentums als eine der größten göttlichen Erkenntnisse preist und sein Volk und seinen Glauben glücklich schätzt, der es gelehrt, Gott in den Göttern zu erkennen. Wie sollte denn nicht der Wechsel von Finsternis und Licht des Menschen Seele tief erschüttern? Wie sollte denn nicht der prangende Glanz der Sonne, das Jubeln gleißender Farben im Strahl, die sprossende Triebkraft der Keime, Knospen, Blüten, das Rauschen wogender Wälder den glaubenden, fürchtenden Menschen zum stillen Gebet bewegen, zur Anbetung der Kraft, die in dem Lichte heimlich wohnt? Oder wie sollte nicht der Nachtsturm des Herbstes, die entblätterte Baumpracht, der Frost des Winters, die tötende, lähmende Macht ersterbender Natur den Sterblichen erzittern lassen vor den Gewalten der Finsternis? Alles