Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Über Tierschutz nach den Lehren der Thora. 85 rabbinisches Verbot unberücksichtigt bleibt. ואם יש לו צער מביא אפילו כרים וכסתות ומניח תחתיה אף כי הוא מבטל כלי מהיבט אין לחוש לזה בי אסור הזה הוא מדרבנן וצער בעלי חיים דאורייתא• Aus gleichen Motiven wird es auch gestattet, durch einen Nichtjuden ein Tier am Sabbath melken zu lassen, weil das Unterlassen dem Tiere Schmerz bereiten würde. Ebenso wird gestattet, einem Reitpferde oder Reitesel am Chaul hamaüed die Nägel zu beschneiden, weil das Unterlassen dem Tiere Schmerz bereiten würde. (Moed Katon 10a. Cfr. Sch. Ar. Orach. Chaim 536, 1). Auch in der späteren jüdischen Literatur finden sich überall deutliche Hinweise und Vorschriften, das Tier vor unnötigem Leid zu schützen. In der Halacha, ebenso wie in der Hagada, bei Maimonides, ,Ascheri‘, Tur und Schulchan Aruch, ebenso wie in der umfangreichen Responsen- und Midraschliteratur finden sich zahllose Mahnungen: Schone das Tier, bereite ihm keinen unnötigen Schmerz. ״Als Moses, so erzählt der Midrasch Rabba (zu Exodus 2), Jethros Herden in der Wüste weidete, war ein junges Eöcklein entflohen. Moses sucht es, um es zurückzubringen. Er findet es an einem Bache, wo es seinen Durst stillt. Moses spricht zum Böeklein ״wahrlich ich wußte nicht, daß du durstig bist. Du bist gewiß auch müde״ und auf den Schultern trug er das müde Tier zurück. Da sagte Gott: ״Wer dem Tiere solch Mitleid bekundet, darf meines Volkes Hüter sein.״ Und der Midrasch Thillim (78) weiß von David zu erzahlen, daß er zuerst die jungen Tiere auf die Weide führte, damit sie das zarte Futter bekommen, dann erst die kräftigen älteren Tiere zur Weide ließ, denn diese können auch das härtere Futter verzehren. Darum sei er auch als Hirte Israels berufen worden. Welch’ warmes Interesse für das Leid der Tiere bekundet die Bestimmung des Schulchan Aruch (Orach Chajim 167,1), daß man zwischen dem Händewaschen und dem Segens- Spruch המוציא sprechen dürfe, um festzustellen, ob die Haustiere ihr Futter bereits erhalten haben, ״da es verboten ist zu essen, bevor man die Tiere gefüttert hat.“