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Jeschurun · 1915-02-01 · Heft 2 (Februar 1915) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 2 (Februar 1915)
Date
1915-02-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Über den Wirklichkeitscharakter der religiösen Ideale. 75 nur das Abfallprodukt der logischen Funktion“ (S. 307). Bis zu einem gewissen Grade spricht hier der Verfasser einen Gedanken aus, der als außerordentlich zeitgemäß gelten darf. Mehr als jemals zuvor steht heute der praktische handelnde Mensch im Vordergrund des Interesses. Die reine, nicht auf den unmittelbaren Nutzen ausgehende Wissenschaft spielt eine Art Aschenbrödelrolle, nur was direkt fördernd in das Leben einzugreifen vermag, kann auf eine allseitige Beachtung rechnen! Aber Vaihinger geht noch viel weiter, die menschliche Vernunft bildet für ihn nicht nur ein bloßes Anhängsel zur Regulierung unserer Lebensfunktionen, sie ist überhaupt nicht dazu geeignet, Erkenntnis im strengen Sinne des Wortes hervorzubringen. Wenn wir absehen von dem, was sich uns unmittelbar aufdrängt, von unseren und unserer Mitwesen Empfindüngen und Gefühlen und ihrer Gewißheit, so gibt es gar keine Wahrheit. Was wir so nennen, sind weiter nichts als zweckmäßige Irrtümer, falsche Voraussetzungen, Fiktionen! Und der gebildete Mensch tut gut, sich dieser Tatsache aufs deutlichste bewußt zu werden. Greifen wir nur hinein in das allerprimitivste, dem Laien als unumstößlich geltende Erfahrungsgebiet, und wir werden sehen, daß es sich wirklich so verhält. Was erscheint uns im praktischen Leben gewisser, was mehr über allem Zweifel erhaben, als daß es körperliche Gegenstände gibt, die uns in verschiedenen Formen, Farben und Härtegraden entgegentreten! Der Erkenntnistheoretiker weiß aber, daß diese Annahme nur eine Hypothese ist. Vor mir steht ein Haus. Ist es wirklich wahr, daß ״das Haus selbst“ mir unmittelbar gegeben ist? In der Entfernung erscheint es mir kleiner, in der Nähe größer, von oben betrachtet in anderer Gestalt als von unten, in den Sonne von hellerer Farbe als im Schatten. Wird ״das Haus selbst“ sich ändern, wenn ich, der Beobachter, meinen Standort ändere oder wenn ich es in verschiedenartiger Beleuchtung sehe? Nein, ״das Haus selbst“ bleibt sich immer gleich, was in meine Wahrnehmung fällt, ist nicht das Haus selbst, es sind 6*

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