Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-02-01 · Heft 2 (Februar 1915) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 2 (Februar 1915)
Date
1915-02-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292945--00586-2293826
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Über den Wiiklichkeitscharaktei der religiösen Ideale. 73 Über den Wirklichkeitscharakter der religiösen Ideale. Von Dr. Abraham Hoffmann-Berlin. Es ist bekannt, daß bedeutende Repräsentanten des Judentums von jeher mit großer Anteilnahme auf den Entwicklungsgang der zeitgenössischen Philosophie blickten. Der Glaube an die religiösen Ideale war ihnen zwar die Hauptsache, aber dieser Glaube sollte auch durch Vernunftgründe gestützt werden. Das Licht, das der Verstand über die religiösen Wahrheiten auszuströmen imstande ist, erschien ihnen nicht beängstigend, im Gegenteil, es war ihnen stets willkommen, schien ihnen die Fülle der Glaubenslehren nur stärken und kräftigen zu können! Es ist selbstverständlich, daß unter den verschiedenartigen Richtungen der Philosophie nur die idealistisch gesinnten den Bedürfnissen des religiösen Empfindens Genüge leisten können. So war es im Mittelalter Aristoteles, im achtzehnten Jahrhundert Leibniz und Wolff, im neunzehnten Immanuel Kant, welche die Aufmerksamkeit der jüdischen Religionsphilosophen auf sich zogen. Was nun die allerneueste Zeit betrifft, so kann sich kein lebender Philosoph rühmen, einen so überragenden Einfluß auszuüben, wie die vorher genannten Geistesheroen• Dies liegt nicht nur daran, daß die Gegenwart arm ist an philosophischen Talenten ersten Ranges, sondern auch an ihrer intellektuellen Zerrissenheit. Kaum zu einer andern Zeit herrschte eine solche Uneinigkeit hinsichtlich der prinzipiellen Grundanschauungen wie heute! Gleich als ob die geistige Entwicklung keinerlei Fortschritte zu verzeichnen hätte, bekämpfen sich jetzt Naturalismus und Idealismus schärfer als je zuvor. Dazu kommt noch, daß der Naturalismus, soweit er auf ernstliche Beachtung Anspruch machen kann, heute ein viel gefährlicherer Gegner ist als früher. Er ist bei der kritischen Philosophie in die Schule gegangen und hat mancherlei Dinge von ihr gelernt. 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.