Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Zur talmudischen Wortdeutung. M. Joel, ״Blicke in die Religionsgeschickte“ I S. 52 be־ handelt das Thema der talmudischen an fremde Sprachen an־ knüpfenden Wortdeutungen und meint, wenn man nicht an־ nehmen wolle, R. Akiba habe gerade die seltsamste Anlehnung für die Halacha vorgezogen, weil sie desto leichter behalten werde, daß nur eine Erklärung übrig bleibe: Nach der Überzeugung der talmudischen Weisen werfe entsprechend dem Satze: ״Jedes Wort, das aus dem Munde Gottes kam, spaltete sich in 70 Zungen“ (Sabbath 88b) die heilige Schrift unbe־ schadet des Umstandes, daß sie hebräisch sprach, doch auch zugleich in allen Sprachen einen Sinn ab, so daß man neben dem Sinne, den das Wort im hebräischen ergab, auch den Sinn mit einheimsen konnte, den der zufällige Klang des Wortes in einer fremden Sprache hatte, weil man es eben nicht für zufällig hielt. R. Akiba habe natürlich den Wortsinn von Totaphoth gekannt, aber er habe darum den Umstand, daß in zwei fremden Sprachen der Klang der einzelnen Silben des Wortes je zwei bedeutete, für nicht zufällig gehalten, sondern von der Schrift beabsichtigt. Man habe eben nicht groß genug von Gottes Wort denken zu können geglaubt. Die Ausführungen Joels sind an sich interessant und beachtenswert. Sie reichen aber zur Erklärung unserer Stelle nicht aus. Ich will nun kurz darzulegen suchen, wie m. E. die Stelle aufzufassen und zu erläutern ist, damit die Schwierigkeit beseitigt werde. Der Satz lautet: (Menachoth 34b) ת״ר לטטפת לטטפת לטוטפות הרי באן ד' דברי ר' ישמעאל ר״ע אומר אינו צריך טט בכתפי שתים פת באפריקי "שתים. R. Ismael knüpft also die Halacha von den 4 Gehäusen der Kopftephillin daran an, daß zweimal טוטפת mit defektiver Endung geschrieben sei und einmal mit plene Endung. Aber, wie schon Thossaphot z. St. bemerken, ent־ spricht diese Schreibung nicht den massoretischen Angaben. Ich glaube nun, daß die Unentschiedenheit von defectivum und plene die Abweisung R. Akibas אינו צריך mit veranlaßt haben dürfte. (Vgl. Menachoth 34 a die ähnliche Kontroverse R. Is־ maels und R. Akibas über מזוזות).