Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Die Entweihung des göttlichen Namens. Türkei, zuteil geworden, daß sie in diesem Weltkrieg die Angegriffenen sind, die in der Notwehr handeln. Daß wir alle den Kampf um unser Dasein führen und ihn nur deshalb begönnen haben, das ist so geschichtskundig, daß es von unseren Feinden im Lager der Kriegführenden und Neutralen unter dem Zwang der Kriegpsychose wohl bestritten werden kann, aber jedem, auch dem erbittersten Gegner, früher oder später zum Bewußtsein kommen muß. So können wir frohen Sinnes es aussprechen: Unsere Hände haben nicht das Blut vergossen, wir haben keinen Anteil an der ungeheuerlichen Entweihung des göttlichen Namens. Wen von unseren Feinden die schwerste Schuld an der Entfachung des Weltbrands trifft, das bleibe hier unerörtert. Wir haben das Nötige darüber in einem früheren Artikel gesagt. Von der Schuld des חלול השם kann man aber im eigentliehen Sinne weder bei Bußland noch bei Frankreich sprechen. Rußland steht dazu auf einer zu niedrigen Stufe und Frankreich ist zu atheistisch. Wir haben es schon einmal gesagt, daß wir in allen unseren Erörterungen niemals die Masse des Volkes anklagen, die zur Schlachtbank geführt wurde. Immer haben wir es nur mit den Führern, den Treibern zu tun. Und die entmenschte Horde der Großfürstenpartei und des ganzen mit ihr zusammenhängenden Tschin an dem Maß stab zu messen, sie hätten sich an der Idee des Göttlichen versündigt, wäre mehr als lächerlich. Ebensowenig sind die Politiker in Frankreich für die Entwürdigung religiöser Ideale verantwortlich zu machen. Man erwartet von Männern, denen der Glaube an Gott und Göttliches längst geschwunden, nichts anderes, als daß sie ein Opfer jeder menschlichen Leidenschaft werden und im gegebenen Augenblick rücksichtslos das tun, was allein ihrem Nutzen oder dem vermeintlichen Wohl ihres Landes dient. Aber England! das fromme England! Denn es ist ein frommes Land. Wir können immer noch nicht einsehen, daß es patriotische Pflicht ist, unseren stärksten und gewaltigsten Feind, den niedergerungen zu haben, wenn uns der endgültige