Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Die Entweihung des göttlichen Namens. Leibe erfahren, wenn die kolonisierenden Volker Europas Greuel auf Greuel häuften, aber wie alles an diesen! Kriege von gigantischem Ausmaß Ist, so Ist noch niemals der Widersprach zwischen Theorie und Praxis, zwischen Lehre und Leben ein so ungeheuerlicher gewesen. Von einem unserer Fürsten** söhn© wird erzählt, er habe einem Krieger, der im Zivilberuf an der Universität Völkerrecht lehrt, gesagt, er müsse unliedingt bei seiner ersten Vorlesung nach dem Kriege zugegen sein, das Vergnügen ließe ersieh nicht entgehen. Ich glaube, es müsse ebenso vergnüglich sein, zu hören, wie nach dem Krieg© die Missionare die armen verirrten Heidcnseclen von der Einzigartigkeit ihrer Religion zu überzeugen suchen, wie sie allein es vermöge, die wahre Liebe in das Herz der Menschenkinder zu pflanzen und die Menschheit der Vollendung entgegenzuführen. Und wie steht es mit dem denkenden Christen selbst, der als Neutraler nicht befangen ist, oder wenn er auch eiimr der streitenden Parteien angehört, sieh die Fähigkeit bewahrt hat, wenigstens von Zeit zu Zelt sich auf sich selbst zu besinnen? Steigt ihm die Schamröte nicht ins Gesicht bei dein Anblick, den jetzt die viel gerühmte christliche Kultur gewährt? Vormag er den Anspruch noch aufreelitzuerhalten, daß das Christentum an sich veredelnd wirkt? Angesichts des Uni- Standes, daß ein christliches Volk die Wilden auf ein anderes Volk hetzt, daß Kulturvölker mit einem Volk der niedrigsten Kultur sich verbünden, um das Volk, das in Wissenschaft und Kunst, in Kultur und letzten Endes auf dem ureigensten Ge־' biete ihrer eigcimn Religion Unvergängliches geschaffen, zu vernichten und auszurot-ten. I.)a die Scham zu den Hunden entflohen ist und das Recht überall auf dem weiten Erdenrund mit Füllen getreten wird. Da mit eiserner Stirn die fjtigo herrscht, und in feiger Raubgier ״die Neutralen“, die nicht einmal Opfer des eigenen Bluts für neuen Lindererwerb bringen wollen darauf lauern, wer von den Gegnern zuerst verblutet, um -it ungeschwächter Kraft dann die Pranken in den zerfetzten Leib des Überwundenen zu schlagen. Da die