Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-02-01 · Heft 2 (Februar 1915) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 2 (Februar 1915)
Date
1915-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292945--00572-2293812
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Entweihung des göttlichen Namens. 59 Entweihung des göttlichen Namens haben sich diejenigen schuldig gemacht, die diesen Krieg heraufbeschworen und in Formen führen, die mit ihrer eigenen religiösen Vorstellung nicht in Einklang zu bringen sind. Wir reden hier nur von den subjektiv-religiösen Ansciiauungen der kriegführenden Völker und lassen unsere jüdische Anschauung zunächst beiseite. Es handelt sich um christliche Völker, die das Christentum als die absolute Religion betrachten, als die Religion, zu der alle anderen Religionen nur die Vorstufen sind. Ziel und Zweck des Weltgeschehens ist auch nach ihnen לתקן עולם במלכות שדי, daß ,.die Welt ihre Ordnung begründe durch die Herrschaft des Allmächtigen“ ״dein Reich komme auf Erden״ und daß die Menschen, in erster Reihe die Christen und nur durch diese und von ihnen bekehrt und geleitet die andere Menschheit, das Gottesreich im Laufe der Zeiten verwirklichen sollen. Und nun versetzen wir uns einmal in die Seele derer, die diesem Kampfe zusehen, zunächst in die aller Nichtchristen, die doch erzogen und emporgehoben werden sollen. Wir selbst schließen uns als Juden aus, wir sind ja nun einmal schon aus den Zeiten der Bibel her ״ein hartnäckiges Volk“, andern seit Jahrtausenden alle Bekehrungsversuche scheiterten. Was wohl die Muhammedaner und Buddhisten, was die kultivierten und unkultuvierten heidnischen Völker wohl von der christliehen Zivilisation denken mögen, jener ״herrlichsten und reifsten Blüte, zu der die Menschheit unter dem Zeichen des Kreu zes sich entfaltet“ haben soll. Sie haben ja den zweifelhaften Wert dieser Segnungen schon früher oft genug am eigenen gehoben, es aber verabsäumt, auf den’Korrelatbegriff des )חליל דלשב hmzuweisen. Aber erst der Umstand, daß חלול דלשם als ein solch ungeheuerliches Verbrechen angesehen wird, macht uns klar, eine welch h«he Stufe der einnimmt, der בלקדם דלשם ist. Zwischen Verbrechen und positiver Tugend muß eine breite Kluft liegen. קדוש דלשם ist ein Besonderes, eine hehre Tugend, aber nicht Pflicht, deren Verletzung strafbar wäre.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.