Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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52 Das Große und seine Lehre. so besagt der Satz, aus seiner philosophischen Verklausulierung befreit, doch nichts anderes, als daß weiteste Kreise unserer Intellektuellen den Gott, den sie früher nicht kannten, nun endlich zu ahnen beginnen, daß die große Lehre mit unwiderstehlicher Gewalt auch ihrem Skeptizismus, auch ihrer Blasiertheit der Weltanschauung ein Ende bereite . . . Haben wir, als die vor Allen dazu Berufenen, als Juden ebenfalls diese Wandlung in unserem Innern verspürt, sind auch wir Andere geworden in unserem Verhältnis zu Gott? Und weiter! ,,Gott ist der Herr des Krieges“, so lautet Israels Parole bei seinem Eintritt in den Völkerreigen, und nur folgerichtig hat stets seine Thora dem Krieg, seinen Gesetzen und Zwecken einen heiligenden Inhalt und Einschlag gegeben. Haben wir in den Tagen, die hinter uns liegen, da ein süßlicher, unmännlicher Pazifizismus den Ton angab und herrschte, da der ewige Frieden als das durch Menschenkunst und Menschenkraft früher oder später vollendete Ideal angeblieh in greifbarer Nähe lag, da der Krieg — im Zeitalter der Entdeckung des Kampfes Aller gegen Alle! — als ein außerordentliches Rudiment früherer Entwickelungsstufen aus der Reihe der Kulturelemente gestrichen wurde, haben wir da den gebotenen Mut gefunden zu bekennen, daß der Ewige, der Herr des Krieges, daß die Thorah den Krieg gebiete und durch ihre Gebote heilige — daß darum schon allein der Krieg an sich nichts Unsittliches, nichts Kulturwidriges sei, sondern erst durch Motiv und Anlaß, durch Tendenz und Art der Führung dazu gestempelt werden müsse? Heute ist jene, alle Männlichkeit einhüllende Friedensapostelei in den Orkus hinabgesunken, heute ist keiner, der daran zweifelte, daß der Krieg, den wir gegen das Barbarentum des Ostens, gegen die inkarnierte Selbstsucht Englands führen, eine gute Sache, ein heiliger sei, daß dieser Krieg kam, weil er kommen mußte, weil die stickigdumpfe Atmosphäre von Lug und Trug, von sittlicher Fäulnis und Dekadenz, die die hinter uns liegenden Jahrzehnte geschaffen, nur durch diese gewaltigste Explosion der Sprengkräfte gereinigt werden konnte, die je die Geschichte sah!