Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Große und seine Lehre. 53 Fanden wir damals den Mut zu jenem offenen Bekenntnis, oder haben wir nicht vielmehr oft genug in feiger ״Furcht vor den Konsequenzen“ uns aufs Entschuldigen verlegt, wo es stolz zu fordern galt, und, ähnlich wie bei den Tieropfern, der Sklaverei u. v. a. von Konzessionen an menschliche Instinkte gesprochen, wo es das Göttliche in der Idee zu verkünden galt? Und hat die Lehre des Großen darin einen Wandel in uns gewirkt?! Und endlich. Ein geistvoller Tageschriftsteller schrieb dieser Tage über die Erziehung zur Sparsamkeit, auch eine der Lehren der großen Zeit, daß aus ihrer Übung im Hinblick auf die Gesamtheit ein Sittengebot im Kantschen Begriffssinn wird, weil sie Enthaltsamkeit zugunsten der Allgemeinheit zu üben sich gewöhnt ... Was anders aber ist denn der Sinn der meisten Gebote der Thorah, was der Sinn der Speise-, der Ehegesetze, was die ausdrückliche Bestimmung des Sabbatruhegebots als die ״Übung in der Enthaltsamkeit zugunsten der Allgemeinheit“? Fragst du aber, ob die Lehre des Großen, die alten Wein in neue Schläuche goß, von uns, die den edlen, alten Trank überdies aus antiken, edlen Pokalen schlürfen könnten, gewürdigt und getätigt worden ist: ״verstockt ist dieses Volkes Herz, und taub sind seine Ohren und seine Augen trübe, daß er nicht sehe mit den Augen, nicht mit den Ohren höre und sein Herz es fasse, daß es sich bekehre und gesunde“. Hat einer von den Vielen, denen diese Lehre nottut auch nur das kleine Maß an Entsagungsfähigkeit sich erworben, daß er das leichte Opfer, beim Darniederliegen von Handel und Wandel, des Geschäftsschlusses am Sabbat sich abrang; hat einer von ihnen aus den Entbehrungen, die unsere braven Verteidiger draußen in Feld und Graben frohgemut ertragen, für sich die soviel leichtere Pflicht der Entsagung des Genusses der verbotenen Speisen abgeleitet? Oder, wenn man hört, wie so gar oft jene, leeren, hungrigen Magens, tapfer und unverdrossen ihre schwere Pflichten übten, in sich dem Gedanken Baum gegeben, welch tief durchdachte ״Übung in der Enthaltsamkeit zugunsten der Allgemeinheit“ in der Einrichtung der Fasttage Israels ruht?! , . .