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Jeschurun · 1915-01-01 · Heft 1 (Januar 1915) · page 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 51)
Language
German
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Das Große und seine Lehre. 51 Frankreich; der Combismus hat gründlich abgewirtschaftet, die Kirchen sind überfüllt und lieber heute als morgen möchte das am Boden liegende Gallien seinen Frieden mit Born machen. Und in unserem Vaterland? Daß Wilhelm II. bei jeder Gelegenheit das Walten Gottes anruft und seine Fürsorge demütig greift, soll gar nicht einmal als Äußerung des neuen Geistes angesprochen werden; wissen wir alle es doch, von welch tiefer Religiosität unseres Kaisers Sein und Wesen allezeit erfüllt und durchwachsen war, auch bevor die Prüfung der großen Stunde an unserer Seele rüttelte. Mehr schon ist dieses Geistes Wehen aus den Kundgebungen seiner Paladine zu entnehmen, und es gehört nicht einmal psychologische Feinmechanik dazu, aus der Anrufung und den Hinweisen auf Gottes Beistand bei den Hindenburg, den Mackensen usw. den Unterton echten Klanges, überzeugter Fügung in den Willen des Unerforschliehen herauszuhören und zu lesen. Was wills dagegen besagen, wenn ein Ostwald, der seit Jahr und Tag sich erfolgreich bemüht durch seine monistischen Exzesse sein früheres wissenschaftliches Eenomme zu untergraben, an diesen Kundgebungen kleinlich nörgelt? Unsere Heerführer sind nicht nachfriedrizianische Generäle Wöllnerschen Angedenkens, die, um nach oben sich zu empfehlen, mit dem Gebetbuch zur Kirche wandeln! Nein! Echt, wie ihr militärisches Können, gefestet wie ihre Taktik und Strategie ruht auch, eine Lehre der großen Stunde, der Glaube an den Gott in der Geschichte auf fester Grundlage in ihrer Brust . . . Und wenn vollends ein Mann wie Georg Simmel, der Straßburger Philosoph in seiner, jetzt im Druck erschienenen Rede über ״Deutschlands innere Wandlung44 sich so ausdrückt: ״Ungezählte Äußerungen der geistigsten Menschen Deutschlands haben mir, höchst mannigfaltig geformt, immer das gleiche Gefühl offenhart: daß dieser Krieg irgendwie einen anderen Sinn hat als Kriege sonst haben, daß er eine, ich möchte sagen mysteriöse Innenseite besitzt, daß seine äußeren Ereignisse in einer schwer aussagbaren, aber darum nicht weniger sicheren Tiefe von Seele, Hoffnung, Schicksal wurzeln oder auf diese hingehen.“ 4*

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