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Jeschurun · 1915-01-01 · Heft 1 (Januar 1915) · page 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 50)
Language
German
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50 Das Große und seine Lelire. Doch, hinweg mit diesen Bildern! Sie illustrieren — das sei als versöhnendes Moment ihnen angerechnet! — einen Zustand akuter Kriegspsychose, die, wie es in der Natur der geistigen Massenepidemien begründet ist, auch sonst ruhigdenkende, mit robustem Nervensystem ausgestattete Individuen befiel und gerade in diesen Kreisen gutgeeignete Medien zur Weiterübertragung des Infektionsstoffes fand. Was ja auch der weitere Verlauf der Entwickelung bestätigte: mit den rasch sich überstürzenden Erfolgen der siegreichen Waffen unseres Heeres zerrannen auch wieder jene Spukgestalten in ihr Nichts, Hoffnungsfreude kehrte wieder in die Herzen ein, frische Unternehmungslust verscheuchte die Mutlosigkeit von gestern, und in einem Gefühl der Beschämung ob des Rückfalls in die Gespensterfurcht der Kinderstube sühnt wiederum manch einer durch verdoppelte Gebefreudigkeit, durch erhöhte Teilnahme an fremdem Schicksalsleid die Schuld einer schwachen Stunde. Und empfindet vielleicht jetzt nach überstandener Krise um so tiefer und inniger das Große und seine altruistische Lehre. Nur, daß dessen Lehrgebiet sich nicht mit der Pädagogik der Altruismus erschöpft, sondern auch noch andere, weite Bezirke umspannt, deren ethische Qualität und Dignität dem Gebot der Nächstenliebe zum mindesten nicht nachzustellen ist. Haben wir, wie wir sollten und mußten, den Widerhall dieser Lehren in uns verspürt oder ihnen den gebührenden Einfluß auf unser Leben, innen und außen, eingeräumt? Ein Wort über unser Verhältnis zu Gott! Am Morgen des 31. Juli, dem Tage vor der Kriegserklärung schrieb der Pariser ״Matin‘4, das einflußreichste Blatt des Boulevard, das an raffinierter Lügenhaffcigkeit und Hetztätigkeit selbst seine englischen Kolleginnen in den Schatten stellt, das ebenso dumme wie freche Wort: ״Die Deutschen fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt. Wir Franzosen sind ihnen über: wir fürchten auch Gott nicht mehr.“ Und hatte damit den Ton getroffen, auf den die Seele seiner in die Hunderttausende gehenden Leserschaar gestimmt war. Doch ״der im Himmel thronet, er lacht, der Herr spottet über sie/‘ Es ist anders, ganz anders gekommen, auch in

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