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Jeschurun · 1915-01-01 · Heft 1 (Januar 1915) · page 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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Das Große und seine Lehre. 49 schützt von den Organen der Sicherheit mußten sie es als ein Glück betrachten, wenn da und dort ein Hotel, zumeist dritten und vierten Grades ihnen wenigstens ein Dach über dem Haupte und Schutz vor tätlichen Angriffen bot, in dem sie unter Zittern und Zagen die Tage verbrachten, bis die höheren Behörden eingriffen und ihnen die Möglichkeit zur Heimreise boten . . . Wie wenige, beschämend wenige jüdische Männer und Frauen — ihrer sei zum Guten gedacht! — waren es damals, die von ihrem Herzen getrieben wurden, ihre Hand über diese Unglückliehen, zum Teil schwerkranke Menschen, zu halten und ihren Verfolgern zuzurufen, daß diese Jammergestalten keine Spione, keine Feinde des deutschen Reichs seien, daß sie, vaterlandslos in ihrem soi disant Vaterlande, den Segen des Himmels auf die deutschen Waffen herabflehen, weil sie von deren Sieg für sich in ihrem ״Heimatslande“ wenigstens die elementarsten Menschenrechte erhoffen! War das die Lehre des großen Augenblicks, daß in dem Herzen der רחמנים בני רחמנים die Sorge für das eigene Wohl und Wehe, die Furcht vor Unbequemlichkeiten und Unannehmlichkeiten das Gebot des לא תעמד על דם רעך so völlig ersticken dürfe und solle?! Und diesem Beispiel ließe sich mit Leichtigkeit eine Reihe anderer Erfahrungen aus jenen Tagen anfügen, die uns von ganzer Furcht und Gespensterseherei am hellen, lichten Tage, von sehr viel rücksichtsloser Ichsucht und von mangelndem Verantwortlichkeitsgefühl die Erinnerung aufbewahrt haben. Wie manch einer sah damals schon sich und die Seinigen am Hungertuche nagen, dessen zweites Wort früher stets בטחון gewesen, wie viele Herzen wurden damals hart gegen fremdes Leid und des Nächsten Sorgen, wie viele Hände schlossen sich damals fest um ihren Besitz, die sonst das לא תאמץ ולא תקפץ als מצות שכליות, die gar nicht erst von der Thorah hätten geboten werden müssen, im Brustton der Überzeugung postulierten! Wars doch oft so oder konnte fast so scheinen, als ob das Wort der תוכחה von der Furcht vor dem Rascheln des fallenden, welken Blattes die Herzen wieder befallen und sie stumpf und dumpf an der Zukunft zweifeln ließ! 4

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