Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Das Große und seine Lehre. Lebensbetätigung vernommen und nach Kräften erfüllt haben. Auch zu uns sind ja die Stimmen aus den Schützengräben gedrungen und haben uns verkündet, was echte Mannestat, echter Mannesmut, wahre Mannesehre bedeuten; auch wir haben die langen Lazarettzüge, die mit schwerverwundeten, oft um Haaresbreite dem Tod entronnenen oder ihm verfallenen Menschenbriidern angefüllt sind, an uns vorübergleiten und mit ihnen den stolzen Traum von der weitfortgeschrittenen ״Höhenkultur“ unserer Zeit in sein Nichts zerrinnen sehen; auch an unsere Tore pocht noch immer tagein tagaus die schier endlose Schar der vor dem Schrecken und Graus dieses Krieges bettelarm von Haus und Hof Geflüchteten und predigt das Dogma von der Eitelkeit der Eitelkeiten und von der Machtlosigkeit des Menschen gegenüber dem Willen der Vorsehung, die, was ein ganzes Leben geschafft und errichtet, in einem Augenblick zu vernichten vermag. So verstockt ist, fürwahr, unser Herz doch nicht, so taub unser Ohr, so trübe unser Auge, daß es die Symphonie dieser Stimmen überhören und an ihren Lehren achtlos sollte vorübergehen können! Aber wie anders wirkt das Zeichen der Größe jenes Augenblicks, wenn wir ihm seine Einwirkung auf unser jüdisches Pflichtbewußtsein abfragen, prüfen, ob wir auch die Lehren, die er für uns als Juden birgt, aus ihm abgeleitet und beherzigt haben. Wiederum antwortet uns, aber anders als oben, ein bestimmtes, festes ״Nein“, und mit einem Gefühl tiefer Beschämung und Betrübnis müssen wir es bekennen, daß der große Moment in uns als Juden vielfach ein kleines Geschlecht gefunden hat! Es war in den ersten Tagen, die den Kriegserklärungen folgten. Tausende und Abertausende polnischrussischer Glaubensbrüder, die zur Kur in deutschen Bädern geweilt und, weil zahlungsfähig, früher auch stets gern gesehene Gäste waren, wurden von den sich überstürzenden Ereignissen überrascht und konnten, da der militärische Aufmarsch alle Verkehrswege belegte, ihre Heimat nicht mehr erreichen. Sie fanden, wo immer sie anpochten, verschlossene Tore und — verschlossene Herzen! Gehetzt vom Straßenpöbel, kaum be-