Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Große und seine Lelnre. 47 der uns angeborene und insoweit berechtigte Drang, in der Vorwärtsentwickelung der jeweiligen Gegenwart Pionierdienste zu leisten, irregeleitet zu solchen Ausschreitungen führte. Von R. Chuzpith, dem Methurgeman, rühmt der Talmud, daß seines Mundes Hauch den auffliegenden Vogel mit versengtem Gefieder habe zu Boden sinken lassen. Das legt der Meharscha in feinsinniger Ausdeutung dahin aus, daß in seiner Rede Verstandesschärfe und Tiefe des Gemüts, lodernde Begeisterung und sinnige Betrachtungsweise sich so innig paarten und ineinander verschmolzen, daß davor die blendenden Phrasen des Tages, die in schimmerndem Gefieder und leicht an Gedankenschwere sich in die Höhe erhoben, mochten sie sonst auch Herz und Sinn ihrer Zeit gewonnen haben, mit verbrannten Flügeln, ihres prunkvollen, betörenden Schmucks beraubt und, in ihrer kühlen leeren Nichtigkeit allen erkennbar, zusammensinken mußten. Aber R. Chuzpith starb den Märtyrertod und schon Elischa b. Abuja ward darüber zum Acher, daß er das heilige Instrument der Rede, das im Munde des R. Chuzpith nur den hehrsten und reinsten Strebungen diente, von der Ichsucht und Genußsucht für ihre Zwecke mißbraucht und entweiht sah. Müssen wir also reumütig bekennen אבל אשמים אנחנו, daß wir ganz gewiß unser vofigerüttelt Teil an den Sünden jener hinter uns liegenden Tage haben, so bleibt doch noch die Frage, ob auch die Katharsis, die innere, aus Erschütterung und Rührung geborene Läuterung, welche, wie in der Tragödie, so auch in dem großen Drama unserer Tage in so vielen Herzen sich vollzog, in uns sich tätig erwiesen und Seele und Sinn den besonderen Lehren, welche das Große jenes Augenblicks für uns enthält, eröffnet hat. Die besonderen Lehren! Denn, wie wir teilhatten mit unseren andersgläubigen Volksgenossen an den Gebresten und Schäden der Zeit, so hieße es, fürwahr, dem Bruder, dem Sohne des eigenen Vaters bitter Unrecht tun, wollte man bezweifeln, daß auch wir den Flügelschlag des neuen Geistes in diesen Tagen in uns verspürt und sein Pfiichtgebot auf allen Gebieten wirtschaftlicher und politischer, sozialer und kultureller