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Jeschurun · 1915-01-01 · Heft 1 (Januar 1915) · page 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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Das Große und seine Lekre. 45 und Lebensbetätigung unberührt und unverändert lassen? Wäre es möglich, und wie wäre es möglich, daß nach dem tiefen Einschnitt, den jene Stunde in den Rhythmus unseres Daseins einzeichnete, das Nachher sich von dem Vorher nicht unterschiede, und selbstzufriedene Beharrlichkeit jeden Ansatz zur Selbstprüfung und Selbsteinkehr, zur Überprüfung des Bestandes an altgewohnten und liebgewonnenen Anschauungen und Über- Zeugungen verhinderte? Man darf diese Frage ruhig mit einen! ״Nein4* beantworten. So völlig jeder Fähigkeit bar das Große auf sich einwirken zu lassen, ist denn doch nicht der Geist unserer Zeit, mochte er in der Vergangenheit auch noch so wenig Verständnis für wahre Größe bewiesen haben. Aber wäre er es auch der Fall gewesen und die Innenarchitektur unserer Volksseele robust genug konstruiert, um Widerstände gegen diese Einflüsse bewußt oder unbewußt zu organisieren: nun fürwahr, zuviel an kinetischer Energie barg dennoch die Größe jenes Augenblickes, bargen all die ihm folgenden Tage und Stunden mit ihren Erlebnissen, um aller Hemmungen solcher Art nicht spielend Herr zu werden. Und haben wir es denn nicht mit unseren eignen Augen gesehen, welche revolutionierende Umgestaltung und Neuorientierung unserer ganzen Lebensgestaltung der Kriegsausbruch und sein bisheriger Gang uns gebracht hat? Was war es doch, das dem hinter uns liegenden Jahrzehnt seine unerfreuliche Prägung gab, seiner Physiognomie gewisse hervorstechende Züge aufdrückte, die nicht nur vom Standpunkte der Religiosität aus, sondern auch den Vertretern einer idealgerichteten Lebensauffassung schwere Besorgnisse über die Zukunft unseres Volkes und seine Daseinsfähigkeit verursachen mußten? Das waren — um nur die markantesten zu nennen — die rastlose Jagd aller nach dem ,,Glück“, dessen höchsten Ausdruck sie in der weitestmöglichen Eudämonie des alltäglichen Lebens suchten und fanden; die Anbetung des goldenen Kalbes, die in allerweitesten Kreisen eine Mißachtung der elementarsten Regeln privatwirtschaftlicher Ökonomie mit all ihren trüben Folgeerscheinungen nach sich zog; das unwürdige Streben nach Titeln, Auszeichnungen und

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