Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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44 Das Große und seine Lehre. der kommenden Jahrzehnte die ehernen Würfel warf. Jener Augenblick, der die tiefsten Tiefen der Volksseele hüben nnd drüben bloßlegte, und, was so lange auf dem Grunde des Herzens unserer Feinde an Rachsucht und Neid sich verborgen gehalten, an das unbarmherzige Licht des Tages brachte. Da ein Völkerringen anhub, desgleichen die Welt in ihrer Geschichte noch nicht verzeichnet hat, da die Stunde der Entscheidung schlug, für alle politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Probleme, welche die vergangenen Jahrzehnte, Jahrhunderte aufgeworfen und so verhängnisvoll verwirrt hatten, daß nur der eiserne Tanz der Waffen ihre rechtlose Lösung zu bringen vermochte. Damals, in jenem Augenblick, war keine Sprache reich, keine Zunge beredt und keine Feder schreibgewandt genug, um diesen Krieg mit einem Beiwort zu versehen, das seine Größe zu fassen vermochte! Titanenkämpfe, Weltbrand, Völkerringen oder wie sie immer heißen mochten, die als Vorbild dieses Kampfes aller gegen einen hätten genannt werden können — man hatte dennoch das Empfinden, daß, was sich vollzog, zuviel der Rätsel barg, als daß menschliche Erfahrung aus ihrem Besitzgut ihm ein Gleiches zur Seite setzen könnte! Das Große war endlich wieder einmal über uns gekommen und es machte uns sprachlos, stumm! Und heute? Wie im Traumbild zogen die Tage, die Wochen, die Monde, die uns von jener Stunde trennen, an unserem Auge, an unserer Seele vorbei; sie haben uns manche Erfolge und manchen Rückschlag gebracht: viel des Jammers, desNiederdrückendenhaben wir seitdem erlebt und noch mehr des Herzerhebenden und der Hoffnungsfreude. Aber das Erlebnis jener Stunde zittert in uns noch heute eben so stark wie damals, als es uns in seinen Bann unwiderstehlich zwang, nach; weil es wahrhafte Größe barg, die erhaben ist ob Raum und Zeit! IH. Und dieses Große sollte unsere Seele so nachhaltig ergriffen, so sehr ihr Gleichmaß erschüttert haben, und könnte dennoch unser Trachten und Streben, unsere Lebensauffassung