Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das Große und seine Lehre. 43 manches Ereignis, manche Tat als groß, ja, als über alle Maßen, überwältigend groß gepriesen und mit dieser Bewertung durch die Blätter des Tages und die Chroniken der Zeit von Geschlecht zu Geschlecht weitergeführt. Und erscheinen doch im Urteil kühlwägender Nachprüfung, in ihrer Bedeutung und ihrem Einfluß auf Kultur und Entwickelung der Menschheit so unsagbar klein und kleinlich, daß ihr Andenken später nur noch mehr als Kuriosität im Herzen der Menschen fortleben und historisches Interesse beanspruchen wird . . . Sieben Meisterwerke menschlicher Kunstvollkommenheit zählte das Altertum und sah in ihnen den Gipfel aller Leistungsgröße und zweifelte nicht, daß auch noch die späteste Zukunft in diese Bewunderung widerspruchslos einstimmen werde. Ihre Spur ist verweht und ihre Erinnerung lebt schon seit Jahrtausenden nur noch im *Wissenschatz der Archäologen fort. Aber, wenn ein Ereignis, ein Werk oder eine Tat so völlig Geist und Herz, Bewußtsein und Empfindung ihres Erlebens ausfüllen, daß der Gedanke, hier einen Maßstab des Werts auffinden und anlegen zu können, kaum aufgetaucht, sich selbst schon wieder unterdrückt; dann haben wir das wahre Große erschaut, dann wurden wir gewürdigt, eine Offenbarung der Unendlichkeit in uns und um uns zu erleben. Oder möchte wohl eine Menschenzunge vermessen genug sein, die Offenbarung am Sinai, die Wunder Gottes an Israel groß oder wie immer zu benennen? Oder — wenn es gestattet ist, neben Göttlichem auch Menschenwerk zu nennen — wer fürchtete nicht banaler Trivialität geziehen zu werden, wenn er die unvergänglichen Denkmäler menschlicher Großtat im Seiche der Kunst und der Geisteswissenschaften mit wortreichem Redeschwall zu würdigen unternähme?! II. Fast ein Halbjahr ist jetzt in das Meer der Ewigkeit hinabgesunken, seit jenem Schicksalsaugenblicke im Leben unseres Vaterlandes, der nicht nur über sein Dasein, seine Zukunft, sondern über Verderb und Gedeih ungezählter Menschenmillionen, über die Lebensgestaltung und die Kulturentwickelung