Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Über Namengebung bei den Juden. Zeit auf, es standen genug Namen zur Wahl, und man kam auf den für den Familiensinn der Juden natürlichsten Ausweg, aus dem Familienregister die Namen für die Kinder zu wählen. Viele werden gewiß bei der Namenwahl den Gedanken gehabt haben, das Kind möge einst werden, wie der frühere Träger dieses Namens gewesen ist, es möge dem Vorfahren, nach dem es genannt, Ehre machen: manche mögen den Namen ganz gedankenlos bestimmt haben, er war ja an der Reihe, niemals aber hätte ein jüdischer Vater sein Kind mit einem häßliehen Namen behaftet oder ihm gar den eines notorisch schlechten Menschen gegeben, was ja auch der Talmud verhüten will, indem er die Warnung ausspricht דלא מסקינן כשמייהו, Joma 38b. Daß der übelklingende Name auf die Erziehung eine Wirkung ausüben könnte, das ist psychologisch wohl zu begreifen; der Vater, der seinem Kinde den Namen eines übel berüchtigten Menschen beilegt oder einen solchen, der eine schlechte Eigenschaft ausdrückt, versündigt sich an seinem Kinde und zeigt, daß er selbst roh und gemein empfindet. Das Gemüt des Kindes wird durch die Angewöhnung an das Häßliche eines schlimmen Namens an das Gemeine gewöhnt und verroht. ״ .כי כשמו כן חוא נבל שמו ונבלה עמוDenn wie sein Name, so ist er, Nabal ist sein Name, und Niedertracht wohnt ihm inne“, sagt Abigajil zu David (Sam. I 25,25.). Nicht sein Name ist wie er, sondern: er ist wie sein Name. Von diesem Gesichtspunkte aus verstehen wir eine anscheinend sehr auffallende Steile in Joma 83b, nach welcher R. Meir, der, mit Genossen auf einer Reise begriffen, in einem Gasthaus eingekehrt, dem Wirte wegen seines Namens כידור mißtraute und ihm sein Geld nicht in Aufbewahrung gab. Denn, so meinte er, der דייק בשמא war, der den Namen untersuschte und in dem Namen den Charakter seines Trägers zu erkennen vermeinte, einem Manne mit dem Namen כידור sei nicht zu trauen, denn mahne ja dieser Name an den Vorwurf, der dem verderbten Volke Israel gemacht wird, der lautet ״ כי דור תהפוכות המהein Geschlecht trügerischen Sinnes sind sie14 (Deuter. 32,20). In der Tat nützte ihm seine Vorsicht: er kam nicht um sein Geld, während die Kollegen