Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Die halachisciie Deutung von Lev. XXII, 23. aber meinen auch für den Altar. Darum heißt es ..es wird nicht wohlgefällig aufgenommen werden“. Das könnte sich aber auf das Gelübde allein beziehen; woher weiß ich, daß es sich auch auf eine freiwillige Spende bezieht? Weil es heißt ״als Gelübde und als freiwillige Spende wird es wohlgefällig aufgenommen werden“ (Sifra z. St. Temura 7 b). Hier scheint also, um das gewünschte Resultat zu erzielen, die Wahrheit offensichtlich auf den Kopf gestellt zu sein, indem man skrupellos eine negative Bestimmung durch Weglassen der Negation in eine positive und eine positive Bestimmung durch Einschieben einer Negation in eine negative umwandelte!! Es sind verschiedene Versuche gemacht worden, um die halachische Deutung zu rechtfertigen. Eine Darlegung und Prüfung dieser Erklärungen würde uns zu weit führen. Man vergleiche den Ramban z. St., dessen Widerlegung durch den Biur, ferner die ausführlichen Erörterungen in Hirschs Pentateuch und in Hoffmanns Levitieus. 2. Auf welcher Exegese beruht nun die Deutung der Halacha? Meines Erachtens gibt es darauf nur eine einzige Antwort: Diese Deutung beruht darauf, daß die Überlieferung die Satzkonstruktion anders aufgefaßt hat, als man sie gemeinhin aufzufassen pflegt. Sie hat den ersten Satzteil als Bedingungssatz aufgefaßt und hat infolgedessen die Kopula in ולנדר mit ״oder“ übersetzt wie bei ושה und וקלוט, so daß nun der Satz etwa folgendermaßen zu übertragen ist: ״Ein Rind oder Lamm, gestreckt oder zusammengezogen, du magst es als freiwillige Spende herrichten oder als Gelübde, wird nicht wohlgefällig aufgenommen werden.4‘ Daß eine solche Interpretation des Satzes eine zulässige ist, kann nicht bezweifelt werden. Bei Bedingungssätzen fehlt oft die Partikel. ״Wie im Deutschen kann das Verhältnis von Bedingung und Folge durch die einfache Nebeneinanderstellung zweier Sätze ausgedrückt werden.“ (Gesenius Grammatik § 159). In poetischer getragener Rede ist die Weglassung der Bedingungspartikel sehr häufig, ebenso die Umstellung von Worten, wie in diesem Falle die eigentümliehe Stellung des Wortes ולנדר, das eigentlich unmittelbar auf