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Jeschurun · 1915-01-01 · Heft 1 (Januar 1915) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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29 Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. Vergleichbarkeit jüdischer and fremder Poesie zu prüfen: man versuche es einmal mit babylonischen oder assyrischen Gesängen, reiche sie der nach religiöser Verinnerlichung und Vertiefung lechzenden Menschheit dar, ändere vielleicht nur die Götzennamen in ein schlichtes: ,,der Herr״ oder -Gott“ — ist doch der charakteristische jüdische Gottesname angeblich nur aus dem Zweistromland entlehnt — ob man wohl allgemein den Keilschriftforschern für diese Geistesgabe Dank zollen wird?? Aber auch dieser Versuch wird schwerlich gemacht werden, und wenn wieder einige Jahre ins Land gezogen sind, dann wird ein neuer Assyriologe erstehen, wird einen oder zwei Verse der Psalmen aus ihrem Zusammenhang nehmen, wird ihnen Strophen anderer orientalischer Poesien gegenüberstellen und an einigen Zügen äußerer, formaler Gleichheit oder Ähnlichkeit der auf horchenden Welt ganz unwiderleglich demonstrieren, daß beides eben nur ..orientalische Gesänge‘4־ sind, bald mehr, bald weniger schön und vollendet, aber der Nimbus, den die Bibel für sich in Anspruch nimmt, wenn sie David sprechen ließ: durch mich hat Gottes Mund geredet, solche überhebliche Naivität wird innigstes Mitleid der Denkenden erwecken. Heute also, wo die Psalmen so gelesen werden wie sie gelesen sein wollen, in religiöser Ergriffenheit, damit ויהו במנגן המנגן ותהי עליו רוח אלוקים wenn diese Gesänge ertönen, der Geist Gottes den Menschen umschwebt, heute sind die Psalmen ein einzigartiges Produkt der religiösen Literatur, als was sie gestern noch .nicht galten und morgen nicht mehr anerkannt werden. Es ist gut, sich solches vor Augen zu halten und den Kat des jüdischen Spruchdichters ben Sirach sich zu eigen zu machen: Worfle nicht bei jeglichem Wind Und gehe nicht auf jeglichem Pfad, Sei fest in Deiner Gesinnung Und bleibe bei einerlei Kede. (Ein zweiter Artikel folgt.)

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