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Jeschurun · 1915-01-01 · Heft 1 (Januar 1915) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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28 Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. Katastrophen wie die Sodoms für unsere Feinde verträglich mit unserer erhabenen Ethik? Also wirklich, in diesem Falle traut man sogar dem Stifter der christlichen Religion das ,,haßerfüllte4’ Psalmwort zu: ..mit äußerstem Hasse hasse ich sie“? In diesem Falle hätte ... Es gibt also Fälle! Wer hätte das je geahnt? Früher erklärte man: das Judentum gebietet, liebet Eure Freunde und hasset Eure Feinde und ähnliches. Falle! Wenn wir einen Satz der Bibel, einen Aus- Spruch der Rabbinen seit Anbeginn als nur für bestimmte Fälle gültig bezeichneten. wenn wir tausendmal erklärten, das gilt■ nur für diesen Fall — welches Achselzucken! Überall begegneten wir tauben Ohren! Nun. wir finden es unschwer begreiflich, daß wenn ein Volk je einmal auch nur ein Tausendstel der Not. des Elends, der ungerechten Befehdung, der grausamen Verleumdung ertragen muß, wie wir Juden in allen Zeiten und Zonen sie erduldet haben, daß es dann sehr schnell unsere G ebete verstanden haben wird, daß ihm das ״harte Buch des Alten Testaments“ ein einziges ״Hallelujak in Tränen“, ein erschütterndes Hosiannah־Gebet in schwerster Prüfung des Lebens, ein Hallel hagodaul für jeden Sonnenstrahl des Glückes wird. Aber eine Frage wird berechtigt sein: wessen Urteil erscheint sachlicher und zuverlässiger, das stets sich gleich bleibende, von äußeren Umständen unabhängige des historischen Judentums oder das unstäte, wechselnde der ״Wissenschaft“? In der Tat: Wir als Juden können solchen Wechsel des Urteils nur belächeln. Da wir die Psalmen selbst kennen, sie lesen und wieder lesen, uns täglich daran erheben für alle großen Momente unseres Lebens, für Leid und Freud, in ihnen Reinigung und Weihe der Seele finden, uns kann es unmöglich in unserer Meinung erschüttern, wenn Männer, die uns vielleicht in grammatischen und archäologischen Details überlegen sind, ein Geschmacksurteil abgeben, das wir nur für richtig und objektiv halten können, wenn wir an unserem gesunden Menschenverstand und normalen Erkenntnisvermögen zweifeln wollten. Aber es wäre für die Wissenschaft doch ein interessantes Experiment zu machen, um die Frage der

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