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Jeschurun · 1915-01-01 · Heft 1 (Januar 1915) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. 25 Amts wegen gehalten sind, die Inferiorität von Israels Lehre zu beweisen, ihr Urteil lautete ganz anders wie sonst. In frischer Erinnerung sind uns die Tage des ״Babel- und Bibel- Streites״, wo fast die gesamte gebildete Welt mit innerer Genugtuung die Entweihung des jüdischen Heiligtums, das Autodafe der ״Einzigartigkeit“ der jüdisch-biblischen Literatur mit anschaute. Damals erklärte jener vielgenannte Assyriologe (BabelundBibeUIIVortr. 1904 S. 14) speziell betreffs desPsalters, daß die Babylonier von dem nämlichen tiefen Gefühl menschlieber Sündhaftigkeit durchdrungen waren wie Israel und in ihren auch äußerlich den hebräischen Psalmen vergleichbaren religiösen Dichtungen die nämlichen ergreifenden Töne menschlicher Ohnmacht, gänzlicher Abhängigkeit von Gott, tiefer Sehnsucht nach Erlösung und festen Vertrauens auf die göttliche Gnade anschlagen,“ ebenso ״wie die sittlich religiösen Forderungen der edlen Geister Babyloniens sich vollkommen decken mit jenen der edlen Geister Israels“; und wenn im Gegensätze dazu ein Theologe der Poesie des Alten Testamentes den Bukm zuerkennen will, ״die herrlichste Poesie der Welt“ zu sein, so meinte er. es sei leicht zu entscheiden, ״ob dieses Urteil nicht auf Übertreibung beruht“ (S. 26). Nein, im Gegenteil, vieles aus der Bibel, ״was nicht religiös-sittlicher Erziehung zu dienen geeignet ist“, müsse ausgemerzt werden (S. 36). ..Auch für die prophetischen Schriften uud für die Psalmen scheue man sich nicht vor historisch-kritischer Lichtung“ (S. 57). Heute klingt es etwas anders: am 15. Dezember 1914, da meinte derselbe Gelehrte: Es ״konnte mir zwar nicht verborgen bleiben, daß so manche Gedanken der babylonischen Weisen über die Schöpfung der Welt und den Ursprung der Sünde, Erzählungen wie jene von der Sintflut u. a. m. die alttestamentlichen Schriftsteller tiefgehend beeinflußt haben, aber andererseits habe ich nie (?) aufgehört zu betonen, daß weder die indische, noch die baby- Ionische, noch die semitische Poesie überhaupt eine Lieder- Sammlung besitze, die an poetischer Schönheit vieler Einzeldiehtuneren, vor allem aber an ernstem Sich-

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