Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. hingemordet, ob auch sie den gellenden Verzweiflungsruf der in Babylon zu Tode Gequälten: Weh Dir, Tochter Babel, Du wirst einst zerstört daliegen, Den Leidenskelch Du leeren, bis Du trunken wirst, Heil dem, der Deine Kinder packet und am Fels zerschmettert! Ob auch sie mit Cornill ihren rechten Arm sich abschneiden lassen würden, wenn dieser Vers nicht stehen würde? Ob sie nicht vielmehr darin den einzigen Trost erblicken, daß der übermäßig Gequälte das Recht hat. mit seinem Leide sich an seinen Vater im Himmel zu wenden und Ihm das Strafgericht anzuvertrauen, das blutrünstige Roheit und entmenschte Grausamkeit fordern? Ob sie nicht vielmehr, wie Königin Luise vor hundert Jahren in ihrer Tilsiter Verbannung, das Klagelied ״an den Wasserflüssen Babels“ ein ״Hallelujah in Tränen“ nennen werden? Wir fragen sie nicht: und die Zünftler der ,.Gelehrsamkeit“ werden von den Männern und Frauen nicht befragt, die voll Beseelung und Andacht die תפלות דוד בן ישי lesen und durch sie aus den Tiefen des Unglückes den Weg zu ihrem Gotte und das Vertrauen an Seine nie endende Liebe und ewige Gerechtigkeit wiederfinden. Möchten sie nur getrost herumfragen, was für Gefühle und Gedanken diese den Psalmen entnommen haben, ob Rachsucht, Haß, Selbstgerechtigkeit und Engherzigkeit oder Frieden, Ergebung und kindliche Demut gegenüber den Plänen der Vorsehung;! Aber man wird die Frage nicht stellen, die Gefühle der von echter religiöser Stimmung getragenen Leser der Psalmen werden sich nicht selbsttätig aufzeichnen, um öffentlich Zeugnis abzulegen*, und wenn die Stürme verrauscht und mit Gottes Hilfe Ruhe wieder bei uns eingekehrt ist, dann wird die gelehrte Theologie wieder die ״Rückständigkeit jüdischer Gottesanschauung״ vom Katheder dozieren, die mit ihren Gebeten um Rache und Bestrafung der Bösen die lautere Erhabenheit anderer Auffassungen nicht erreicht habe. Ja, wenn die gelehrten Herren selbst heute gefragt würden, wo für kurze Weile Burgfrieden herrscht und sie nicht von