Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Unser Kaiser. Sturme unser Herz erobern. Dafür ist ihm aber mehr geworden. Langsam aber sicher reifte in uns das Gefühl einer unerschütterliehen Liebe zu ihm, die aus der Erkenntnis seines ganzen Lebenswerkes geschöpft ist und darum unabhängig bleibt von dem Wechsel der Zeiten. Diese Liebe hat der Krieg wohl zur höchsten Flamme angefacht. Das Haupt des Heeres, das unser Heim und unser Leben schützt, ist jetzt das teuerste Symbol unseres Volkes und alle Wärme, die aus unserem Inneren zu unseren Rettern strömt, sie sammelt sich wie in einem Brennpunkt um die Person des Kaisers. Aber diese Liebe hatte sich schon vorher offenbart. Es war beim fünfundzwanzigjährigen Regierungs־ jubiläum unseres Kaisers. Die offiziellen Reden, die Zurufe einer schaulustigen Menge haben für mich immer wenig besagt. Wer aber jene drei Festtage hier in Berlin miterlebt hat, dem kam es zum Bewußtsein, daß da ein seiner Würde bewußtes und auf seine Freiheit stolzes Volk einem Herrscher huldigte, dem es in herzlicher Neigung zugetan war, den es aufrichtig liebte, weil er ihm der Liebe viel gegeben hatte. Der Kaiser hatte sein Volk lieb. Denn er hat ihm nicht nur seine Macht gestärkt, er hat ihm auch die Segnungen des Friedens geschenkt. Denn wir wußten schon damals, auf wie schwachem Fundament der Frieden Europas gegründet war und daß der Einzige, der mit eiserner Energie diesen Frieden schützte, der Einzige, der unter den Führern der Völker es mit der Erhaltung dieses höchsten Gutes der Menschheit ehrlich meinte, unser Kaiser war. Wir wußten, wie oft er in tiefer Erbitterung hatte an sich halten müssen, da fast alle Großmächte ihr Reich erweiterten und vor allem England und Frankreich einen schier unermeßlichen Zuwachs an Kolonialbesitz gewannen und für Deutschland nur Brosamen abfielen, wie für den Bettler von dem Tisch des Reichen. Wir empfanden mit ihm die Schmach der Demütigung, die in dem Unterfangen der Einkreisungspolitik uns seit Jahren angetan. Und dann gedachten wir des stolzen Sinnes dieses Königs, der an der 2