Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Unser Kaiser. des Volkes, die Majestät, die unverletzliche, vor der man Achtung hegt? die man verehrt, die aber an sich nicht das Gefühl der Zuneigung, der Liebe auslöst. Und doch umschlang, wie uns die Geschichte lehrt, sehr oft ein Band der Liebe Volk und König. Nur muß der König, der Liebe ernten will, Liebe säen. Von den jüdischen Königen fällt aus Feindesmund, also von unbestochenen Zeugen, die Äußerung, sie wären liebevolle Könige gewesen (I. Kön. 20,31). Wenn sie, wie dort geschildert wird, Liebe und Erbarmen dem überwundenen Feinde gegenüber bewiesen, wie werden sie dem eigenen Volke erst Liebe entgegengebracht haben. Und darum begegnen uns auch in der Bibel Beweise hingebungsvoller Treue an den König, einer innigen tief im Herzen wurzelnden Liebe zu der angestammten Dynastie. Die Liebe des Preußen zu seinem Königshause ist durch Jahrhunderte gewachsen. Sie sog ihre Nahrung aus der Dankbarkeit zu jenen großen Trägern der Königswürde, die durch eigene Kraft, durch zähen Fleiß und seltene Charakterstärke, durch ihr Genie und ihr unerreichbares Pflichtgefühl aus kleinen Anfängen die Großmacht schufen, die gleichberechtigt an die Seite Jahrhunderte alter großer Staaten trat. Das deutsche Reich und sein Kaisertum ist jung. Seine Herrscher müssen noch, ein jeder selbst, die Liebe, die sie ererbt, erwerben, wollen sie eines unangefochtenen Besitzes sich erfreuen. Und diese Liebe hat unser Kaiser — sehen wir von denen, die prinzipielle Gegner der Monarchie sind, ab — überall in seinem Volke sich errungen. Das ist ein Verdienst, das um so höher eingeschätzt sein will, als unserem Kaiser nicht beschieden war, als ehrwürdiger Greis die Herzenssehnsucht eines ganzen Volkes zu erfüllen wie Kaiser Wilhelm dem Ersten, und als im Volksbewußtsein sein Vater in der Gestalt fortlebt, wie er als Kronprinz in sonniger Heiterkeit Herz und Gemüt der Menge bezauberte. Der Mann, der es an Schroffheit in seinen Meinungsäußerungen nicht fehlen ließ, der wahrlich nicht um Volksgunst buhlte, wenn er die Sätze niederschrieb: ״Suprema lex regis voluntas“, ״Sic volo sic jubeo“, der konnte nicht im